Jacques und die defekte Zug-Tür: Was lief da im ICE?

Vergesst den Sonderzug nach Pankow. Oder die schwäbische Eisenbahn. Der ICE 774 war für die TSG Balingen das Maß aller Bahndinge. Dieser Schnellzug brachte das Team am vorigen Spieltag zum Auswärtsspiel nach Kassel.

Das Buschfunksignal, wonach die Balinger Fußballer Abkehr nähmen von ihrem langjährigen Mobilitätspartner Maas Reisen, kann man ins Reich der Fabel schicken. Allzu eng sind die Bande zwischen dem Verkehrsunternehmen und der TSG – beide arbeiten seit Jahrzehnten vertrauensvoll, freundschaftlich und professionell zusammen. Und das werden sie auch künftig tun.

Doch diese eine Mal ging die TSG tatsächlich fremd: Die Kicker wechselten von der Straße auf die Schiene. Erstmals seit langer Zeit reiste die TSG zu einem Auswärtsspiel mit der Bahn an. Ein wenig ein Wagnis – man hört und liest ja so einiges vom Schienenverkehr (Senk ju vor träwelling) – letzten Endes aber ein gelungenes Projekt, das nach einer Wiederholung verlangt.

Und das kam so: Die immer mal wieder aufgeworfene Idee, insbesondere einen Spielort, der eine sehr lange Busfahrt bedingt hätte, mit dem Zug anzusteuern, wurde im aktuellen (Co-)Trainerteam aufgegriffen. Philipp Reitter und Daniel Günay nahmen die Planungsfäden in die Hand, unterstützt wurden sie in der Umsetzung von Fabian Fecker und Marius Kienzler, die mit einem Kleinbus fünf Personen aus dem Staff und vor allem so viel Material wie möglich (Bälle, Trikots, Stollen, Müsliriegel usw.) nach Kassel chauffierten. Auf der Straße.

Tür kaputt – Zugwechsel!

Nun zur Schiene: 25 Mann stiegen am Spieltag um 7.23 Uhr und bei noch kühlen 10 Grad in den ICE 774 in Stuttgart ein: Fahrtrichtung Kiel, Ausstieg Kassel Wilhelmshöhe, nicht weit weg vom Spielort Auestadion.

Um 11.36 Uhr, damit rund 30 Minuten verspätet (was für DB-Verhältnisse satt im Rahmen liegt, senk ju!), fuhr der Intercity-Express 774 in Kassel ein. Die letztlich leichte Verspätung hatte kurzzeitig den Puls erhöht: In Frankfurt musste die Eisenbahn getauscht werden, weil eine Wagentür im ICE defekt war.

Alles halb so schlimm. Es blieb ausreichend Zeit, um am Spielort eine leichte Mahlzeit einzunehmen – per Straßenbahn ging es auf die letzte, rund 15-minütige Etappe zum Stadion. Schon in der Tram durften die Balinger Bekanntschaft mit einigen KSV-Hessen-Fans schließen – diese begleiteten die Spieler, Trainer und Betreuer auch zur Rückfahrt und spendeten den TSG-lern reichlich Applaus.

„Hessen Kassel hat uns toll unterstützt“, berichtet Co-Trainer Philipp Reitter und nennt beispielhaft das Bereitstellen eines Gruppenraums fürs Mannschaftsessen und die besorgte Nachfrage, nachdem die Gastgeber von der zeitweiligen Verspätung Notiz genommen hatten.

Ein langer, aber gelungener Tag

Insgesamt, so Reitter, sei die Stimmung sehr gut und entspannt gewesen. „Die Jungs haben Karten gespielt, gelacht und viel geredet.“ Bei der kurzen Nervenprobe während des Zugdefektes in der Nähe von Frankfurt hätten einige im Zug gemunkelt, dass ihr muskelbepackter Athletiktrainer Jacques Adade seine Finger mit im Spiel gehabt haben könnte – eine freilich infame Unterstellung.

In Stuttgart kamen die Balinger kurz vor 21 Uhr an, packten die Koffer, Taschen und den Punkt aus dem ICE aus und klatschten sich ein letztes Mal an diesem langen Tag ab. Nach Hause ging’s von dort in Fahrgemeinschaften.

Philipp Reitter resümierte zufrieden: „Natürlich war es ein langer, aber auch sehr gelungener Trip. Mit ein wenig Glück hätten wir sogar einen Sieg mit auf die Heimfahrt nehmen können.“

Den Konjunktiv kann sich das Team am kommenden Samstag sparen: Um 14 Uhr wird in der Bizerba Arena das Namensvettern-Duell gegen den Bahlinger SC angepfiffen.