Nachruf: Große Trauer um Eugen Strigel (†)
Die TSG Balingen trauert um Eugen Strigel. Der gebürtige Meßstetter, der in Balingen aufwuchs und zu einem der besten deutschen Fußball-Schiedsrichter aufstieg, ist tot. Eugen starb in der Nacht zum Dienstag im Alter von 76 Jahren. Er hinterlässt in der Familie, in unserem Verein, im deutschen und im europäischen Fußball eine sehr große Lücke.
Sein nahendes Ende war ihm bewusst: Eugen Strigel litt an Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), eine unheilbare, degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems. Vor fast genau einem Jahr wurde ihm von den Ärzten mitgeteilt, dass er nicht mehr lange zu leben habe.
Eugen Strigel trug diese Schockdiagnose in unfassbarer Art und Weise: Bis zur letzten Minute widmete er seine gesamte Freizeit der Familie und dem Sport, speziell seiner TSG. In den letzten Jahren war er nach Balingen zurückgekommen, um nach einer ebenso erfolgreichen Berufs- (als Diplom-Verwaltungswirt war er u.a. Bahnhofsvorsteher in Tuttlingen und Horb) wie Sportlerkarriere hier seinen Lebensabend zu verbringen.
Es mag für uns alle ein kleiner Trost sein, dass Eugen im Schoß der TSG noch viele gesellige, kameradschaftliche und von allergrößtem gegenseitigem Respekt geprägte Stunden, Tage, Wochen und Monate verbringen durfte.
Eugen Strigel spielte bis zur A-Jugend Fußball bei der TSG. „Durch die TSG wurde ich auch Schiedsrichter“, erzählte er uns immer wieder – und fügte gerne an: „Die TSG ist mein Heimatverein und ich war all die Jahre mit der TSG verbunden und habe immer zumindest aus der Ferne die Spiele verfolgt.“
1968 leitete Eugen Strigel sein erstes Spiel als Fußball-Schiri: Es war das A-Jugendduell zwischen Frommern und Obernheim. Zum letzten Mal offiziell zur Pfeife griff er 1995, beim DFB-Pokalfinale in Berliner Olympiastadion, als sich Borussia Mönchengladbach und der VfL Wolfsburg gegenüberstanden. Bis dahin war er 70 Mal in der Bundesliga im Rampenlicht gestanden.
Höhepunkt auf internationaler Ebene war das Endspiel der Landesmeister zwischen dem AC Mailand und Steau Bukarest in Barcelona: Vor 100.000 Zuschauern assistierte Eugen Strigel als Linienrichter Karl-Heinz Tritschler aus Freiburg. Bis zuletzt war er gefragter internationaler Beobachter in den Europapokalwettbewerben. Noch vorige Woche wurde seine Expertise beim Euro-League-Spiel zwischen Saloniki und Sevilla angefordert.
Außerdem kümmerte sich Eugen 15 Jahre lang als DFB-Lehrwart um die Aus- und Weiterbildung der Unparteiischen. Dabei war er nicht nur bundesweit, sondern weltweit unterwegs und schulte Schiedsrichter in ganz Europa, Asien und Afrika. Als einer der ersten setzte Eugen, der beim DFB auch als stellvertretender Schiri-Chef fungierte, auf die Videoanalyse. Unvergessen zudem das ZDF-Format „Pfiff des Tages“: Hier analysierte Eugen vor einem Millionenpublikum Schiri-Entscheidungen – wie bei der WM 2002, der EM 2004 und aus der Bundesliga.
Heimat indes war und blieb stets Balingen, auch wenn Eugen Strigel während seiner Karriere lange in der Pfalz lebte. „Mein erster Blick ging immer zu den Spielen nach Balingen. Toll, was da in den letzten Jahren geleistet und erreicht wurde“, hat uns Eugen im zurückliegenden Jahr am lieb gewonnenen TSG-Stammtisch im Clubhaus Henkes 12ter Mann berichtet. Er freute sich sehr, dass ihn der gesamte Verein, vornehmlich die AH, nach seiner Rückkehr mit offenen Armen in ihren Reihen aufgenommen hat.
Eugen Strigel war kompetenter Ansprechpartner, Ratgeber in allen Lebenslagen, Fachmann durch und durch – vor allem aber: Mensch und Freund. Keiner, der sich hinter irgendetwas oder irgendjemandem versteckte, erst recht nicht hinter einer medizinischen Diagnose. Die Stärke, Klarheit, Gewissenhaftigkeit und Ehrlichkeit, die er bis zu seinem letzten Atemzug ausstrahlte, sind beispiellos.
Sich selbst stellte er stets in den Hintergrund. Angesprochen auf seine Karriere meinte Eugen Strigel nur: „Ich hätte nicht im Traum gedacht, das alles zu erleben.“
Seine Schiri-Rente verbrachte Strigel mit Fahrrad- und Motorradfahren, den Schein dazu erwarb er noch im fortgeschritteneren Alter, Skiurlauben mit seiner Frau sowie Zeit mit Kindern und Enkeln. Und eben im Kreise der TSG. Nach einem Herzstillstand vor 16 Jahren zog er eine klare Lehre: „Ich habe gesehen, was wichtig ist, und zwar nur eines: deine Gesundheit und die deiner Mitmenschen.“
Eugen, Ruhe in Frieden.
Termin und Ort der Trauerfeier teilen wir an dieser Stelle mit, sobald beides feststeht.





