Europlan feiert: In 100.000 Stadien um die Welt

Wer mit Leidenschaft dokumentierte Fußballstadien liebt, die Vielfalt von Kulturen schätzt und ständig auf der Suche nach neuen Arenen ist, kommt an „Europlan“ nicht vorbei.

Karel Gott hätte seine Freude gehabt: Einmal um die ganze Welt – und die Taschen voller Stadien. Thomas Schips und Timo Klaiber, die Gründer der Internetplattform „Europlan“, können von ihrem Hobby viele Lieder singen. Die beiden Zollernälbler vereint das Hobby aller Groundhopper: Sie sammeln Fußballstadien wie andere Bierdeckel oder Briefmarken.

Weil es Ende der 90er, Anfang der 2000er Jahre allenfalls hier und da ein paar Lose-Blatt-Sammlungen mit Infos zu Sportplätzen, Stadien und, neudeutsch, Arenen gab, entschloss sich Thomas Schips dazu, im damals frischen Internet eine Seite ins Leben zu rufen: europlan-online.de. Später kam Timo Klaiber dazu, er professionalisierte das Projekt.

Die Party in Balingen

Zwischenzeitlich sind mehr als 100.000 Stadien bei Europlan eingetragen; sauber sortiert nach Land, Anschrift, Fassungsvermögen, bespielten Vereinen und vielen weiteren Informationen. Es ist die größte Datensammlung dieser Art – weltweit.

Um die 25 Mitstreiter unterstützen Thomas Schips und Timo Klaiber bei der permanenten Datenpflege, mehr als 8000 Gleichgesinnte steuern immer mal wieder etwas bei, insbesondere Fotos und Infos. Der 100.000 eingetragene Ground, so nennen die Groundhopper einen Sportplatz, ist Grund genug, dass sich die Europlan-Protagonisten treffen: Beim Regionalliga-Heimspiel der TSG Balingen gegen den Bahlinger SC am 2. Mai versammelt sich der harte Kern.

Einer hat sie alle!

Schips stammt aus Balingen und bereist seit den 1990er Jahren Fußballstadien weltweit. Er hat mehr als 60 Länder selbst besucht und in mehr als 1700 Stadien Spiele gesehen. Das sei, verglichen mit manchem Fankollegen, eine vergleichsweise geringe Zahl, meint auch Timo Klaiber, der in Haigerloch zuhause ist, und es auf „um die 1000 Grounds“ bringt.

Eigentlich Peanuts! Zum Vergleich: Einer der Mitnutzer hat 9469 Spiele in 8878 Stadien gelistet, ein anderer bringt es auf 14.235 Spiele in 3496 Arenen. Den Vogel schießt ein Kollege ab, der alle Länder komplett hat; das ist, je nach Zählweise, „eine Zahl irgendwo zwischen 211 und 218“, wie Klaiber weiß. Die Auswahl ist groß: Allein in Deutschland werden jede Woche zigtausend Partien angepfiffen.

Die Bandbreite der Groundhopper reicht von deutschen Kreisligaduellen über Begegnungen bei armenischen Zweitligisten bis zu Spielen in südamerikanischen Nationalarenen. Den Einstieg fanden Klaiber und Schips übrigens in der Fanszene des VfB Stuttgart, als sie internationale Begegnungen begleiteten. Die Sportstätte mit der Nummer 1 folglich: „Das Neckarstadion!“, kommt es wie aus der Pistole geschossen.

Zentrale Anlaufstelle

Es sei die Vielfalt von Fußballkulturen und die Architektur, die begeistert, berichten die Europlan-Gründer. Und natürlich Land und Leute. Den beiden geht es, ohne die Gefühlslast, die das Mitfiebern mit dem Lieblingsverein mit sich bringt, primär um das unmittelbare Spielerlebnis.

Für die Szene gilt Europlan seit Jahren als zentrale Anlaufstelle. Die Plattform dient als Nachschlagewerk für alle, die wissen wollen, „ob ein Ground was kann“. Sie ist mehr als die Auflistung von mehr als 100.000 Plätzen auf der ganzen Welt; sie zeigt auch und gerade zehntausende Bilder, Eindrücke und erklärt Wissenswertes.

Einst schusterte man ein „Heftle“ zusammen, erinnert sich Thomas Schips an die bescheidenen Anfänge. Erst mit dem Internet sei die Idee zu einem kollaborativen Projekt gewachsen. Der Wunsch ließ sich technisch nach und nach umsetzen. Programmierer Timo Klaiber entwickelte aus der statischen Seite eine Datenbank. So konnte die Plattform wachsen. Inzwischen gehen wöchentlich mehrere hundert neue Bilder ein.

Die Motivation für die Macher: Rückmeldungen aus der Community und Begegnungen mit Nutzern, die die Seite selbstverständlich in ihre Reiseplanung einbeziehen. So hoffen sie am 2. Mai in Balingen darauf, dass wenigstens ein paar ihrer Interessensbrüder den Weg in die Bizerba-Arena finden.

Habt Ihr meine Jacke?

Rückschläge bleiben ebenso wenig aus wie Kuriositäten. Eine abfotografierte Stadionübersicht führte einst zu einem Rechtsstreit mit einer fünfstelligen Forderung. Die Seite war zeitweise offline. Das Team prüfte wochenlang sämtliche Inhalte, bevor Europlan wieder online ging. Der Vorfall zeigte die Risiken eines offenen Systems.

Aber auch und gerade für Heiteres ist die Seite gut, wenn auch nicht immer zielführend. „Wenn irgendwo eine Trainingsjacke vergessen wird, Torwarthandschuhe liegen bleiben oder jemand ein Stadion anschauen möchte, fragen sie schon mal bei uns direkt nach“, erzählt Thomas Schips. Klaiber ergänzt um diese Anekdote: „Einst wollte jemand wissen, ob er auf dem Stadionparkplatz seine Schäferhunde umladen darf.“ Mietanfragen für Sportheime trudeln regelmäßig ein.

Inhaltlich lebt die Plattform von ihrer Breite. Besonders gefragt sind Bilder abseits der großen Arenen: alte, „verranzte“ Plätze mit Charakter, kleine Grounds mit besonderer Kulisse. Solche Funde sorgen auch bei den Betreibern für Überraschungen. „Irgendwo taucht immer wieder ein schönes Stadion auf“, sagt Schips.

Ein Papst ohne Ground

Groundhoppen als solches sei in den zurückliegenden Jahren immer einfacher geworden, räumen Schips und Klaiber ein. Konnte man einst allenfalls erahnen, ob irgendwo ein Spiel stattfindet, ist es heute ein Leichtes, sich übers Internet schlau zu machen – auch dank Europlan. Früher sei man auf gut Glück irgendwo hingefahren, heute gebe es viel mehr Planungssicherheit, berichten die Hopper.

Ihre Lieblingsziele? „Die Karibik, die Färöer, Mittel- und Südamerika“, lässt Thomas Schips wissen. Der Vatikan? Der spiele mit seiner durchaus existenten Fußballauswahl, überwiegend Schweizergardisten und päpstlichen Räten, gar nicht in der Vatikanstadt, sondern irgendwo dort in der Nähe, eben in Rom, wird man belehrt. Und sei weder UEFA-, noch FIFA-Mitglied. Der Papst ist also raus.