Oberliga: Das großes Sommerinterview mit Michael Schilling

Michael Schilling leitet ab der kommenden Saison die Geschicke beim Fußball-Oberligisten TSG Balingen.

Im großen Sommerinterview spricht der neue Coach nun erstmals über seine Ziele, Vorstellungen und Erwartungen.

Michael Schilling ist erfahren, arbeitet gerne mit Talenten, bringt eine klare Ausbildungsphilosophie mit und coachte zuletzt den südbadischen Verbandsligisten 1. FC Rielasingen-Arlen, mit dem der 49-Jährige unter anderem den südbadischen Pokal gewann und sich für den DFB-Pokal qualifizierte. Zuvor war er beim SV Schaffhausen, FC Winterthur, FC St. Gallen und FV Ravensburg tätig.

Der Ex-Profi und -Juniorennationalspieler will mutigen, offensiven Fußball etablieren. „Meine Mannschaft soll Dominanz ausstrahlen und Spiele aktiv gestalten“, sagt er.

Herzlich willkommen in Balingen. Wie kommt ein Deutsch-Schweizer zur TSG?

Die TSG ist ein toller Verein, der auf mich von Anfang an sehr familiär und gleichzeitig professionell gewirkt hat. Dazu kamen die sehr guten Gespräche mit den Verantwortlichen. Das Gesamtpaket hat mich absolut überzeugt und ich freue mich riesig darauf, endlich loslegen zu können.

In der Oberliga warten renommierte Gegner, die TSG steht vor einem Neubeginn. Deine Erwartungen an die neue Runde?

Für mich geht es zunächst einmal darum, den Verein und vor allem jeden einzelnen Spieler bestmöglich kennenzulernen. Ich wünsche mir einen starken Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft und dass wir mit viel Freude und Energie in die neue Runde starten.

Nun verzeichnet der Verein einige Abgänge, vornehmlich junge, talentierte Spieler aus der Region und aus dem eigenen Nachwuchsbereich kommen neu dazu. Bist du mit dem Kader zufrieden?

Ja, ich bin mit dem Kader sehr zufrieden. Wir konnten erfahrene Spieler dazugewinnen und gleichzeitig einige junge, talentierte Jungs verpflichten, die viel Potenzial und große Motivation mitbringen. Zudem war es wichtig, bestehende Stützen der Mannschaft zu halten. Insgesamt haben wir eine sehr interessante und ausgewogene Mischung im Team.

Wie gelingt der Neubeginn?

Ein Neustart wird nicht über Namen entschieden. Die größere Herausforderung liegt im Kopf. Nach einer schwierigen Saison, geprägt von Rückschlägen und Frust, müssen die Spieler mental den Schalter wieder umlegen. Nach einem Abstieg trägt jeder Spieler einen kleinen Rucksack mit sich herum. Ganz wichtig ist, dass die Spieler von Tag eins an merken: Wir sind eine Einheit, wir haben eine klare Idee.

Welche Art Fußball gibst du vor?

Mutig, aktiv, mit Selbstvertrauen. Es braucht auch die Bereitschaft, Fehler zu machen. Inhaltlich werden wir viel mit dem Ball arbeiten. Wichtig ist, dass die Jungs wieder Freude am Fußball entwickeln.

Nenne uns ein paar Eckdaten der Vorbereitung: Ab wann wird wieder trainiert, wie oft, wie viele Testspiele sind geplant? Gibt es ein auswärtiges Trainingslager?

Offizieller Trainingsstart ist am 29. Juni. Die Jungs bekommen aber bereits drei Wochen vorher individuelle Laufprogramme, damit wir gut vorbereitet beginnen können. In der Vorbereitung erwarten uns viele intensive Trainingseinheiten, ein Kurztrainingslager hier in Balingen und natürlich einige attraktive Testspiele.

Ein früher Höhepunkt ist der Knaller gegen den VfB Stuttgart am 19. Juli. Wie groß ist die Vorfreude?

Die Vorfreude ist riesig. Es ist wirklich großartig, dass die Verantwortlichen der TSG einen solchen Gegner in die Bizerba-Arena holen konnten. Ich glaube, dass sich nicht nur wir als Mannschaft, sondern die gesamte Region auf dieses Spiel freut. Man muss das aber ins Verhältnis setzen und richtig einordnen: Die Vorbereitung dient dazu, um sich für Pokal und Liga einzuspielen.

Die U23 steigt in die Verbandsliga auf, spielt also nur eine Liga unter der „Ersten“. Wie darf man sich die Verzahnung der Mannschaften vorstellen?

Erstmal Glückwunsch zum Aufstieg! Die Meisterschaft in der Landesliga ist eine überragende Erfolgsgeschichte. Ein großes Kompliment an alle Beteiligten! Zur eigentlichen Frage: Die Verzahnung zwischen U23 und erster Mannschaft soll künftig noch intensiver werden. Philipp Wolf, Trainer der U23, wird regelmäßig ins Training der ersten Mannschaft integriert sein. Dadurch entsteht ein enger und kontinuierlicher Austausch zwischen beiden Teams, was für alle Beteiligten wichtig ist und zusätzliche Planungssicherheit schafft.

Wie stark wirst du die Nachwuchsmannschaften im Allgemeinen im Blick haben, wie wichtig ist die eigene Jugend?

Der Nachwuchsbereich ist mir enorm wichtig. Ich habe selbst viele Jahre im Juniorenbereich gearbeitet und werde deshalb immer ein Auge auf unsere Jugendmannschaften haben. Die eigene Jugend ist schließlich die Zukunft eines Vereins.

Gibt es etwas, was dich bei deinen bisherigen Eindrücken in und von Balingen überrascht hat?

Überrascht hat mich eigentlich nichts, im positiven Sinne. Ich wusste aus Gesprächen mit Spielern und Staffmitgliedern bereits, dass bei der TSG alles sehr menschlich abläuft. Genau dieser Eindruck hat sich bislang zu 100 Prozent bestätigt.

Hast du von der Stadt schon etwas sehen können?

Bis jetzt leider nicht allzu viel, außer einer kleinen Stadtrundfahrt, weil sich unser Physio Achim aufgrund einiger Baustellen verfahren hat.

Wer wird Fußball-Weltmeister?

Schwierige Frage. Natürlich hoffe ich auf Deutschland, aber ich denke, Spanien oder Frankreich haben sehr gute Chancen. Wobei vielleicht auch die Schweiz ein wenig überraschen könnte.

Drehen wir die Glaskugel weiter: Welche Schlagzeile soll am Ende die Balinger Saison 2026/2027 überschreiben?

„Die TSG hat sich hervorragend entwickelt, die TSG-DNA ist klar zu erkennen und es macht Spaß, dieser Mannschaft zuzuschauen.“