Treue ohne Erfolgsgarantie: Ein besonderer Pokal-Gast
208 Niederlagen in 256 Spielen. Nur 17 Siege und 99 erzielte Tore bei 719 Gegentreffern: Wer Liechtenstein die Daumen drückt, braucht einen besonderen Grund. Jürgen Springer hat ihn – und offenbar gleich mehrere. Seit mehr als 25 Jahren reist der 56-jährige Deutsche dem Nationalteam hinterher, überquert Grenzen, investiert Zeit und Geld und leidet mit.
Was das mit der TSG zu tun hat? Einiges! Am Mittwoch mischt sich der wohl populärste Fan der Liechtensteiner Nationalmannschaft unter die Zuschauer in der Bizerba Arena: „Ich freue mich auf das Pokalspiel gegen Ulm“, erklärt Springer und überrascht: „Dafür lasse ich sogar das Länderspiel gegen Aserbaidschan sausen.“ Vielleicht kickt dafür die TSG bald gegen Liechtenstein? Wer weiß…
Kontakte nach Balingen knüpfte Jürgen Springer über „Lexi“ Bothner – beide trafen sich am Rande eines früheren Duelles zwischen der TSG und Ulm. Denn Springer ist gefühlt überall: Einst war er als Maskottchen „Jack“ für die Donaustädter im Einsatz. Lexi und er verabredeten sich immer mal wieder, gemeinsam schaute man dem Liechtensteiner Nationalteam zu und traf dabei sogar Prinzessin Tatjana. Ihr überreichte Lexi einen TSG-Schal.
Dabei ist Springer gar kein Liechtensteiner. Er lebt in Ostfildern bei Stuttgart. Seine Reise zu einem Heimspiel in Vaduz ist also jedes Mal eine Fahrt ins Ausland. Trotzdem fühlt er sich bei den Partien des Kleinstaats längst wie ein Einheimischer. Stolz trägt er das blaue Trikot, schwenkt die Flagge und singt die Nationalhymne. Bei Auswärtsspielen kann es schon einmal vorkommen, dass der Schwabe der einzige Liechtenstein-Fan auf der Tribüne ist.
Springers Begeisterung begann im Jahr 2000. Aus einem geplanten Besuch des Kleinstaats wurde eine dauerhafte Bindung. Heute besitzt Springer vier VIP-Dauerkarten für die Spiele in Vaduz und ist bei Spielern und Funktionären des Verbandes bestens bekannt.
Seine Leidenschaft wirkt umso ungewöhnlicher, wenn man die sportliche Realität betrachtet: Niederlagen am Fließband, Gegentore im Minutentakt. Für Springer ist das kein Grund, sich abzuwenden. Eher das Gegenteil: Gerade weil Siege selten sind, scheint ihm jedes Spiel besonders viel zu bedeuten.
„Im Prinzip betreibe ich Marketing für das Land“, sagt er. Und tatsächlich versteht Springer seine Rolle nicht nur als Fan, sondern eher schon als Botschafter. Er schwärmt von der Landschaft, kennt die Besonderheiten des Fürstentums und versucht sich sogar im Liechtensteiner Dialekt.
Nun will er noch mehr Menschen für seine Leidenschaft gewinnen. Springer plant einen Fanclub und hofft auf mindestens 22 Mitglieder. Sein Wunsch: volle Ränge, mehr blaue Trikots und mehr Unterstützung für eine Mannschaft, deren Anhänger vor allem eines beherrschen müssen – verlieren und trotzdem wiederkommen.
Wer weiß: Vielleicht fällt Springers Idee auch in Balingen auf fruchtbaren Boden. Lexi Bothner jedenfalls hat schon mal vorgefühlt: Für den Fall, dass sich ein paar TSG-ler an Liechtenstein erwärmen können, will Springer ernsthafte Gespräche mit dem Nationalverband führen – „Ziel ist es, dass die Liechtensteiner zu einem Freundschaftsspiel nach Balingen kommen. Noch gibt es dazu unterschiedliche Meinungen. Ein gutes Feedback wäre der Sache bestimmt dienlich.“





