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13.02.2008

Neuer Weg mit Willig

Der neue Jugendkoordinator Nico Willig (links) und TSG-Abteilungsleiter Uwe Haußmann. (Foto: Moschkon)

Die TSG Balingen installiert einen hauptamtlichen Jugendfußball-Koordinator. Das Besondere: Der 27-jährige Nico Willig, der den Posten bekleiden wird, hat landesweit nur vier Kollegen. Als fünfter württembergischer Klub nach dem VfB Stuttgart, den Stuttgarter Kickers, dem VfL Kirchheim und der SG Empfingen beschäftigt die TSG Balingen ab der kommenden Saison einen Nachwuchs-Koordinator in Vollzeit. „Unser Ziel ist es, die Jugendarbeit professioneller zu betreiben“, erläutert Uwe Haußmann die Beweggründe der Balinger Fußballer. Der Abteilungsleiter verweist zum einen auf die guten Erfahrungen mit jungen, talentierten Akteuren, die der Aktiven-Coach Karsten Maier nach und nach ins Verbandsliga-Team eingebaut habe – stellt zum anderen aber klar: „Von diesen Spielern kamen in den zurückliegenden zehn Jahren nur zwei aus Balingen. Das ist deutlich zu wenig.“ Um die Förderung zu intensivieren und – um letztlich – die Früchte aus den vermehrten Bemühungen zu ernten, schlägt die TSG Balingen künftig einen ganz neuen Weg ein: Mit Nico Willig, zugleich Spielführer der Verbandsliga-Elf, steigt im Juli erstmals ein hauptamtlicher Mitarbeiter ins Vereins-Management ein. Willig, der im Juni die Prüfung zur Trainer-A-Lizenz ablegen und sein Sportwissenschafts-Studium (mit den Schwerpunkten Sportmanagement, Betriebswirtschaft) beenden wird, hat klare Vorstellungen von seinem künftigen Tun: „Unterm Strich muss stehen, dass wir uns die Leistungsträger im Aktivenbereich selber heranziehen. Im Nachwuchsbereich muss die TSG Balingen im Umkreis von mindestens 50 Kilometern dauerhaft die Nummer eins werden.“ Der künftige TSG-Jugend-Koordinator betrachtet die Trainer-Fortbildung als maßgebliches Aufgabenfeld; hinzu kommen die Planung und Organisation des Spielbetriebs, der Aufbau von Kooperationen (nicht nur, aber auch mit Schulen), sowie weitere, auch vereinsübergreifende Tätigkeiten. Beispielsweise könnte in Balingen eine Fußballschule aufgebaut werden. Ganz sicher wird es Fußball-Camps geben. Die Finanzierung des Vollzeit-Angestellten möchten Uwe Haußmann, dessen Stellvertreter Jürgen Siedler und deren Mitstreiter in der Vereinsführung mithilfe von Fördermitteln stemmen. Entsprechende Gelder halten demnach der Landessportbund und das Land bereit. Auch an spezielle Jugend-Sponsoren ist gedacht; ebenso an die Refinanzierung der Ausgaben durch vermehrte, ertragreiche Aktionen. Die Zusammenarbeit ist vorerst auf drei Jahre angelegt. Nico Willig soll die Jugendleiter Alexander Jerg und Michael Supper unterstützen, Ansprechpartner für alle Jugendtrainer und die Vereinsführung sein und natürlich selbst Mannschaften betreuen. Mit großem Erfolg coacht der 27-Jährige seit fünf Jahren die aktuelle C2, die – wie berichtet – am 23. Februar ein Freundschaftsspiel beim FC Bayern bestreiten wird. Noch unklar ist, wo der baldige Koordinator seinen eigentlichen Arbeitsplatz hat. Idealerweise bezieht Nico Willig einen noch zu schaffenden Büroraum in unmittelbarer Nähe zum Au-Stadion. „Um diesen Punkt abhaken zu können, sind in jedem Fall bauliche Maßnahmen vonnöten“, weiß Abteilungsleiter Uwe Haußmann.

13.02.2008

Interview

Elf Jugendfußball-Mannschaften jagen im Trikot der TSG Balingen dem Leder hinterher. Im höheren Nachwuchsbereich arbeiten ausschließlich lizenzierte Übungsleiter. Und obwohl viele Balinger Talente regelmäßig zum DFB-Stützpunkt und zu den Bezirksauswahlen eingeladen werden, macht der künftige Jugend-Koordinator Nico Willig einen gewaltigen Nachholbedarf aus.

Weshalb leistet sich die TSG Balingen als Fünftligist einen hauptamtlichen Jugend-Koordinator?
NICO WILLIG: Ganz offenbar deshalb, weil die Notwendigkeit besteht. Wir haben zwar viele Spieler, sind auch im Bezirk die Nummer eins und feiern immer wieder Erfolge – es bleibt aber zu wenig hängen.

Was sollte denn hängen bleiben?
WILLIG: Die Spieler müssen den Sprung zu den Aktiven, bestenfalls in die erste Mannschaft schaffen und dürfen nicht zum überwiegenden Teil zu kleineren Vereinen abwandern. Wir müssen nachhaltig an der Verbesserung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses arbeiten.

Mit welchen Maßnahmen möchten Sie Ihre Ziele erreichen?
WILLIG: Es geht um die Entwicklung und Einführung einer einheitlichen Spielkonzeption. Dann müssen die neuen Inhalte in den Trainerschulungen immer und immer wieder vermittelt werden, wobei ich auch aktive Unterstützung an allen Tagen leisten werde. Wir müssen Kooperationen aufbauen und pflegen, die Gesamt-Organisation überprüfen und auch forscher in der Öffentlichkeit auftreten.

Im Umkreis von gut 50 Kilometern die Nummer eins werden zu wollen, klingt wenig bescheiden. Woher nehmen Sie ihre Zuversicht?
WILLIG: Zunächst geht es ja darum, sich Tag für Tag die Grundidee, nämlich die „Zucht“ eigener Talente, vor Augen zu halten. Allein diese Vision setzt viele Kräfte frei. Außerdem haben wir ja schon jetzt recht wenig Konkurrenz, können also auf einer soliden Basis aufbauen. Um, ich nenne es mal „Balinger auf höchstem Niveau“ zu erhalten, müssen wir im Nachwuchsbereich besser und akribischer zur Tat schreiten als andere Vereine.

Das hört sich nach hartem Konkurrenzkampf mit den Nachbarklubs an.
WILLIG: Aber ganz im Gegenteil! Wir reichen jedem Verein die Hand, der mit uns zusammenarbeiten möchte. Es wäre doch für beide Seiten von Vorteil, wenn wir die Spieler oder auch Trainer austauschen. Nur wenn wir über den Tellerrand hinausblicken, werden auch wir uns ständig verbessern.

Weshalb ist gerade die Arbeit an der Basis so existenziell wichtig?
WILLIG: Ist doch klar: Mit einem geschaffenen Sonderstatus im weiten Umkreis schärfen wir unser positives Image, so dass wir eine dauerhafte Qualitätserhöhung von Trainern und Spielern garantieren können. Die Einnahme von Ausbildungsentschädigungen auf der einen, und die reduzierte Ausgabe von Ablösesummen auf der anderen Seite bedingen zudem ein positives wirtschaftliches Ergebnis. Und zudem identifizieren sich die Spieler, das Umfeld und die Zuschauer mit bekannten Gesichtern aus ihrer Nachbarschaft mehr als mit irgendwelchen Gestalten, die mal so eben ihre Laufbahn im höheren Amateurbereich – gegen gutes Salär versteht sich – auslaufen lassen wollen.

Was geschieht, wenn sich Nico Willig von diesem Job verabschiedet? Sterben dann die Ideen?
WILLIG: In allen Gesprächen, die ich mit der Abteilungsleitung geführt habe, war eine Grundbedingung von beiden Seiten, dass wir hier zwar etwas ganz Besonderes schaffen wollen – unser Engagement aber daraufhin ausgerichtet sein wird, dass wir die Stelle mit personenunabhängigen Inhalten anreichern. Sollte ich also je einmal aufhören, gäbe es zig andere Leute, die diese Arbeit mit derselben Intension und Motivation verrichten könnten.