



Erst flog Rill, dann Bauer und dann war die Partie gelaufen – Balingen hatte wirklich keinen Glückstag erwischt bei der 1:3-Niederlage gegen den Verbandsliga-Primus Kirchheim. Ja, zu guter Letzt verwies der Stuttgarter Referee Martin Petersen sogar TSG-Trainer Karsten Maier seiner vertrauten Position auf der Trainerbank. Zur Leistung des Unparteiischen wollte dieser allerdings nichts erzählen nach dem Verbandsliga-Kracher. Eigentlich sah zunächst alles ganz gut aus für die Balinger Truppe, wenn auch Coach Maier auf Torjäger Tobias Göbel verzichten musste, der sich im vorhergegangenen Auswärtsspiel beim FV Illertissen einen Zehen gebrochen hatte. In der Anfangsphase beherrschte der Eyach-Klub die Partie und drängte den Spitzenreiter geschickt in seine eigene Hälfte. Die beste Möglichkeit hatte Turan Sahin per Freistoß, nachdem er an der Strafraumgrenze von zwei Kirchheimern böse in die Zange genommen war, er zog aber haarscharf an der Kiste vorbei (14.).
Der Tabellenführer kam nach der verschlafenen Anfangsphase immer besser ins Spiel, so richtig klappen wollte es aber noch immer nicht. Erst als Balingens Gerhard Rill nach der Ampelkarte vom Platz musste (33.), schaffte es der VfL, sichtbare Konturen ins Spiel zu bringen und in der 42. Spielminute auch in Führung zu gehen: Aus etwa 25 Metern pfefferte Stürmer Isci Coskun das Leder flach in die Balinger Maschen. „Das war ein sehr schönes Tor“, schwärmte Trainer Michael Rentschler von der ersten Kiste. Trotz Unterzahl schaffte es die Maier-Truppe nach dem Seitenwechsel, den Ligaprimus an die Leine zu nehmen und sich selbst zahlreiche Chancen zu erspielen – die allerschönste bescherte der TSG auch gleich den Ausgleich. Nach einem brillanten Sahin-Freistoß in den Sechzehner schickte Erik Raab die Kugel per Kopfball zu Martin Cus und der ließ es in den Maschen zischen (55.). „Ich denke, meine Jungs haben im gesamten Spiel alles versucht und ihr Bestmögliches gegeben“, machte Karsten Maier seiner Truppe trotz des Endergebnisses keinen Vorwurf. Nur sieben Minuten nach dem 1:1 – Kirchheim fiel zunehmend durch seine rüde Spielweise auf – klingelte es wieder, diesmal allerdings in den Balinger Maschen. Nach einem Freistoß von Alban Mehaj nickte Tiago Santos Araujo das Runde ins Eckige. Dennoch: Die TSG blieb dran. Bis zum zweiten Platzverweis eben. In der 74. Minute hielt TSG-Keeper Manuel Raisch, der für den angeschlagenen Igor Idjakovic zwischen den Pfosten stand, einen weiteren Schuss von Araujo fest, recht flott tönte allerdings schon der Pfiff – Bernd Bauer hatte seine Hand am Ball und musste, da ebenfalls schon verwarnt, vorzeitig unter die Dusche. Den fälligen Elfmeter verwandelte Feriz Meha zum 1:3-Endstand. Es wurde allerdings nochmal heiß im Stadion: Nach einem Foul an Martin Taube tobten sowohl die Zuschauer als auch der TSG-Coach, woraufhin Schiri Petersen Karsten Maier seines Platzes verwies. In der Folge verwaltete Kirchheim das Ergebnis und Balingen kam in doppelter Unterzahl auch zu nichts mehr.
TSG Balingen: Raisch; Bauer, Raab, Cus, Taube, Schelling, Schreyeck (85. Kaptan), Todorovic, Rill, Sahin (76. Foelsch), Mayer (52. Di Lucia).
Tore: 0:1 Coskun (42.), 1:1 Cus (55.), 1:2 Araujo (62.), 1:3 Meha (75. Elfmeter).
Gelb-rote Karten: Gelb-rote Karten gegen Rill (33.) und Bauer (74./beide Balingen).
Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart).
Zuschauer: 220.




Ausgerechnet im Spitzenspiel gegen Tabellenführer VfL Kirchheim (Samstag, 15.30 Uhr) muss die TSG Balingen auf Tobias Göbel verzichten: Der Angreifer zog sich einen Zehenbruch zu. Es gibt Tage, da läufts. Und wieder welche, da läufts nicht. In letztere Kategorie passte Balingens Auswärts-Auftritt beim FV Illertissen, der für die TSG mit einer 2:4-Niederlage endete. „Wir haben ganz schlecht begonnen, uns dann gesteigert, letztlich aber nicht clever genug gespielt, um zu punkten“, analysiert Trainer Karsten Maier das Spiel. Ins Bild passt, dass die Balinger einen Zugang auf der Verletztenliste präsentieren: Stürmer Tobias Göbel brach sich im Illertal eine Zehe und muss nicht nur gegen Spitzenreiter Kirchheim aussetzen. „Er fehlt uns mindestens drei Wochen“, klagt Maier, dessen Alternativen speziell im Offensivbereich dünn gesät sind. Noch nicht wieder mittun darf auch Nico Willig, der nach wie vor gesperrt ist. Sollte die erwartete Vier-Wochen-Strafe vom Verband bestätigt werden, kann der Kapitän erst nächste Woche beim SV Baustetten auflaufen. „Der Spielverlauf in Illertissen war irgendwie symptomatisch für die ganze Runde“, stellt derweil Karsten Maier fest und zählt auf: Erst habe man sich durch Unachtsamkeiten zwei Gegentreffer eingefangen, dann sei seine Elf wieder aufgestanden, habe es aber versäumt, nach dem 2:2 den Führungstreffer nachzulegen. Maiers Schlussfolgerung: „Um nach ganz vorne zu kommen, fehlt es an individueller Klasse. Wenn wir nächste Saison angreifen wollen, müssen wir in diesem Punkt kräftig nachbessern.“ Die Zeichen der Zeit hat der VfL Kirchheim bereits vor knapp zwölf Monaten erkannt und sein Team auf Oberliga-Niveau getrimmt. Erst drei Niederlagen handelten sich die Teckstädter (in Ditzingen, Dorfmerkingen und Ravensburg) ein – in den Heimspielen ließ man bis dato gar nur zwei Gegentore zu, das letzte beim jüngsten 3:1 gegen Dorfmerkingen. In der Gesamt-Tabelle liegt Kirchheim ebenso auf Platz eins wie in der Auswärts- und Heimbilanz. „Keine Frage: Da haben wir es mit dem Titelanwärter Nummer eins zu tun“, zieht Karsten Maier vor derart viel gegnerischer Lorbeer den Hut. Dreh- und Angelpunkt in der Kirchheimer Defensive ist der ehemalige Stuttgarter-Kickers-Profi Torsten Raspe. Allerdings beeindruckte der württembergische Pokalsieger von 2003 im bisherigen Saisonverlauf vielmehr noch durch eine kompakte Mannschaftsleistung und einen ausgeprägten Teamgeist – zweifellos ein Verdienst von Trainer Michael Rentschler. Aktuell bester VfL-Torschütze ist mit zehn Treffern Feriz Meha. Dessen Bruder Alban ist beinahe ebenso treffsicher – er erzielte sieben Tore. Ebenso oft traf der mittlerweile durch einen Kreuzbandriss lange außer Gefecht gesetzte Antonio Tunjic. Übrigens: Beim VfL kickt mit Dennis Förster (19) der höchst talentierte Sohn von Ex-Nationalspieler Bernd Förster mit. „Wir haben etwas gutzumachen“, meint Karsten Maier mit Blick auf das Hinspiel, das die Balinger mit 0:2 verloren. Damals stand das Endresultat schon nach 21 Minuten fest. Beinahe wie in Illertissen.

