



Die TSG Balingen ermöglichte dem Oberliga-Schlusslicht VfL Kirchheim den ersten Sieg. Der Tabellenletzte gewann im Au-Stadion verdient mit 3:1 (1:1). Balingen zeigte seine bis dato schlechteste Saisonleistung. Von einer kompakten, couragierten Vorstellung war die TSG Balingen im Duell gegen den VfL Kirchheim weit entfernt.
Vieles, was den Aufsteiger im bisherigen Saisonverlauf ausgezeichnet hatte, ließ die Maier-Elf ausgerechnet gegen das bislang noch erfolglose Schlusslicht vermissen. Folgerichtig handelte sich die TSG ihre zweite Heimniederlage ein. Das Team kann nun zwei Wochen lang die Wunden lecken und an den fußballerischen Grundlagen arbeiten. Aufgrund einer Länderpokalpause steht das nächste Oberliga-Spiel erst am 19. Oktober (Sonntag, 15 Uhr) beim Spitzenreiter SG Sonnenhof Großaspach auf dem Programm. Die Zeichen standen schon früh ungünstig. Zum einen war von vornherein mit einem noch unberechenbareren Gegner zu rechnen, nachdem Kirchheims Kurzzeit-Coach Hansi Kleitsch nach nur 22 Tagen Amtszeit den Bettel hingeworfen hatte (wir berichteten). Zum anderen schien auch der überraschende Abschied des Texaners Rob Miller (siehe Extra-Bericht) das Team zu lähmen. Jedenfalls schlüpften die Hausherren oftmals in die pure Beobachterrolle anstatt selbst die Initiative zu ergreifen. Und wenn sich die Balinger doch anschickten, den Tabellenletzten unter Druck zu setzen, dann leisteten sie sich viel zu viele Fehler im Spielaufbau oder vergaben ihre Torchancen.
Schon nach vier Minuten setzte der VfL das erste Ausrufezeichen. Der starke, weil mit vielen Freiheiten und Freiräumen ausgestattete Emrah Polat schlenzte den Ball in die rechte Torecke. Zwar war der TSG-Keeper Sebastian Kellner noch dran, doch prallte das Leder vom Innenpfosten über die Linie – 0:1, Kirchheims erstes Auswärtstor in der laufenden Runde. Kellner entschärfte wenig später einen Altinsoy-Freistoß (14.), dann hielt der Balinger Spielführer Nico Willig aus der Distanz einfach `mal drauf, doch strich der Ball drüber (17.). Die erste brauchbare Offensivaktion brachte trotzdem den Ausgleich. Dominik Stikel, neben Willig bester Balinger, spielte auf Turan Sahin, jener flankte in die Mitte und Tobias Göbels Scherenschlag zischte in die Maschen, das 1:1 (24.).
Als Muntermacher taugte der Treffer nicht, wenigstens nicht für die favorisierten Balinger. Bei Polats strittigem Abseitstor (26.) und Söylemezgilles Direktabnahme (39.) brannte es dafür auf der Gegenseite lichterloh. Nach dem Wechsel hatte Göbel die Führung auf dem Kopf, zielte nach einem Sahin-Freistoß aber drei Meter vorbei (47.). Kirchheim freute sich und antwortete auf seine Art: Eine Serie krasser Abwehrfehler bestrafte Armin Ohran, der das Leder im Liegen ins Tor stocherte, 1:2 (50.). Stikel (53., am langen Pfosten vorbei), Foelsch (61., Kopfball), Buchstor (70., vorbei) und Göbel (79., drüber) waren teilweise nah am zweiten Balinger Treffer dran, doch auch der Kirchheimer Matthias Koch verzog aus spitzem Winkel knapp (76.).
Für die Entscheidung sorgte erneut Ohran, der einen Kirchheimer Konter mit dem 1:3 abschloss (81.). Bezeichnend, dass die TSG auch ihre letzte „Hundertprozentige“ kläglich versemmelte: Buchstor hatte Göbel freigespielt, doch dieser schob den Ball aus zehn Metern am Tor vorbei (87.).
Als eine der wenigen positiven Randerscheinungen aus der Kirchheim-Partie nehmen die Balinger mit, dass der letztjährige Abwehrchef Martin Taube erstmals nach seiner langen Verletzungspause wieder im Kader stand. Möglicherweise feiert der langjährige Leistungsträger bereits in 14 Tagen sein Comeback.
Die Oberligen setzen am kommenden Wochenende wegen des DFB-Länderpokals komplett aus. Doch nicht nur deswegen bestreitet die TSG ihr nächstes Heimspiel erst am 8. November (14.30 Uhr/ gegen die Stuttgarter Kickers 2). Bis dahin stehen in direkter Folge vielmehr drei Auswärtsduelle – bei der SG Großaspach (19. Oktober/15 Uhr), beim FC Nöttingen (25. Oktober/15.30) und bei der Spvgg Au (1. November/14.30) – auf dem Programm.






Mit dem VfL Kirchheim empfängt die TSG Balingen am Samstag (15.30 Uhr, Au-Stadion) den Oberliga-Tabellenletzten. An einen Selbstläufer glaubt niemand – zu stark präsentierte sich der VfL zuletzt.
In Kirchheim herrscht Aufbruchstimmung. Und das kurioserweise nicht trotz, sondern wegen des Tabellenplatzes: „Täglich bieten sich junge, talentierte Spieler an, die zu uns kommen möchten“, berichtet der neue Kirchheimer Trainer Hansi Kleitsch, der erst vor 14 Tagen das Zepter übernahm. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Dietmar Sehrig wird Kleitsch, mehrfach Deutscher Juniorenmeister mit dem VfB Stuttgart, vor allem eines zugetraut: „Ich will jungen Spielern den Weg nach oben weisen“, erzählt der 56-Jährige, der den VfL als „Herzensangelegenheit“ bezeichnet: Schließlich wohne er nur 500 Meter vom Stadion entfernt, lässt Kleitsch wissen. Gleichwohl lässt sich nicht abstreiten, dass der VfL mitten in einer Krise steckt. Letzter Platz, noch kein Sieg, dazu 3:29 Tore. „Aber wir kommen wieder“, verspricht Kleitsch, der unter anderem auf den bundesligaerfahrenen Oliver Otto (u.a. VfB Stuttgart, SSV Ulm 1846, SSV Reutlingen) zurückgreifen kann. Der 35-Jährige, wie Kleitsch ein waschechter Kirchheimer, wurde „nachverpflichtet“. Sein größter Triumph war der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1992 mit dem VfB Stuttgart. „Der VfL steckt in einer prekären Situation – da helfe ich gerne aus“, sagt Oliver Otto, der beim 0:1 gegen Großaspach allerdings verletzt ausfiel. Bis Samstag wird der ehemalige Bundesligakicker wieder zurückerwartet. „Oliver Otto dürfte dabei sein“, verrät sein Trainer Hansi Kleitsch, dessen Mannschaft zuletzt auch ohne Otto dem neuen Tabellenführer SG Großaspach beim 0:1 einen großen Kampf lieferte und den Favoriten kräftig in die Defensive drängte. „Schon die 0:3-Niederlage eine Woche vorher beim FC Nöttingen fiel viel zu hoch aus. Wir waren zumindest phasenweise das klar bessere Team“, behauptet Kleitsch. Die TSG Balingen stellt sich auf einen zu allem entschlossenen Kontrahenten ein. „Ich erwarte einen Kampf auf Biegen und Brechen“, meint der Balinger Coach Karsten Maier, dem wohl Bernd Bauer wieder zur Verfügung stehen dürfte. Dem Offensivspieler, der sich beim 2:0-Sieg in Kehl eine Gehirnerschütterung zuzog, ging es schon zu Wochenbeginn deutlich besser. Weiterhin fehlen wird Rob Miller. Dafür dürfte der in Kehl grippegeschwächte Kevin Ketis wieder im Vollbesitz seiner Kräfte sein. Langzeitverletzt sind Martin Taube und Alex Sarantos.
„Es war auch etwas Glück dabei“, blickt Karsten Maier auf den „Dreier“ beim Kehler FV zurück und fordert gegen Kirchheim eine konsequentere Spielweise: „Wir müssen zu mehr nennenswerten Abschlüssen kommen.“ Wie wichtig ein Erfolg wäre, versteht sich von selbst: Angesichts des nahenden „Auswärts-Dreierpacks“ – mit Spielen in Großaspach, Nöttingen und Au – täten drei Zähler dem Balinger Punktekonto enorm gut. Eine wiederum ordentliche Kulisse dürfte den Kreisstädtern am Samstag sicher sein: Schließlich verteilte die TSG an alle im Kreis ansässigen Vereine, die zum Hallenfußball-Turnier um den Sparkassen-Indoor-Cup (26. bis 28. Dezember) eine Einladung erhielten, jeweils zehn Freikarten. Wenn nun noch das Wetter mitspielt, könnte also auch gegen das Schlusslicht eine vierstellige Besucherzahl erreicht werden.

