



Trotz der 1:3 (1:1)-Niederlage zeigte der Oberliga-Aufsteiger TSG Balingen beim Titel-Topfavoriten 1899 Hoffenheim 2 gestern eine starke Vorstellung. Die Gastgeber waren einen Tick cleverer – und eben um die zwei Tore besser.
Gegenüber dem 1:2 gegen Freiberg nahm TSG-Coach Karsten Maier zwei Änderungen vor: Turan Sahin und Felice Dilucia durften von Beginn an ran, Martin Cus und Bernd Bauer blieben zunächst draußen. Erstmals spielberechtigt war gestern der Balinger Neuzugang Dominik Stikel. Die Freigabe für den 21-jährigen Offensivspieler, der allerdings nicht zur Startelf gehörte, trudelte wenige Stunden vor dem Anpfiff ein. Hoffenheim erwischte einen Traumstart. Dennis Ruiz-Maile profitierte von einem Querschläger in der Balinger Abwehr und hämmerte das Leder aus kurzer Entfernung unhaltbar unter die Latte, das 1:0 (6.). Die Bundesligareserve hinterließ einen sehr ballsicheren, kombinationsfreudigen Eindruck. Allerdings hielt die TSG mit einem großen läuferischen Pensum dagegen und versuchte ebenfalls, den schnellen Ball in die Spitze zu spielen. Meist aber blieb’s beim Versuch, weil die Hoffenheimer die Räume geschickt eng machten und die Balinger im entscheidenden Moment Angst vor der eigenen Courage zeigten. Glück hatte Balingen, als Rob Miller klären wollte und Keeper Sebastian Kellner das Spielgerät mit den Fingerspitzen übers Torgestänge lenkte (19.). Nach starker Göbel-Vorarbeit tankte sich Lukas Foelsch im Strafraum durch, legte quer, doch fand die flache Hereingabe keinen Abnehmer (21.). Der bis dahin beste Angriff im Spiel führte zum Ausgleich. Zunächst eroberte sich Felice Dilucia das Leder, passte zu Göbel, jener bediente Foelsch und der Balinger Youngster setzte Turan Sahin in Szene, der aus vollem Lauf zum 1:1 einschoss (27.). Dann wieder Hoffenheim: Nach einer Schneckenberger-Flanke köpfte Ruiz-Maile an den Außenpfosten (37.). Zuvor war einmal mehr die linke Balinger Abwehrseite düpiert worden. Das Remis in der ersten Halbzeit ging in Ordnung, auch wenn Hoffenheim optisch mehr vom Spiel hatte. Die Gäste beschworen dafür einige sehr gefährliche Aktionen vor dem Gehäuse des Erstliga-Perspektivkaders hervor. Schwierigkeiten hatten die Maier-Schützlinge, wenn die Hausherren pfeilschnell nach vorne spielten. Speziell Erik Raab schien in manchen Szenen überfordert. Dafür packte Torhüter Sebastian Kellner immer dann beherzt zu, wenn es gefordert war. Mit einer guten Möglichkeit eröffnete Hoffenheim den zweiten Durchgang. Nach einer Lambracht-Flanke zischte die Direktabnahme von Christopher Hock nur knapp am Pfosten vorbei (50.). Der Titelfavorit versuchte nun, den Aufsteiger weit zurückzudrängen und ein Powerplay aufzuziehen. Ein folgenschwerer Ballverlust von Lukas Foelsch führte zum 2:1. Der soeben eingewechselte Marcel Brandstetter hatte freie Bahn und traf unhalbar zur 1899-Führung (60.). Eine Minute später hätte Schneckenberger schon alles klarmachen können. Doch aus kurzer Entfernung traf der Hoffenheimer Angreifer nur die Latte (61.). Ganz stark parierte Kellner gegen Lambracht, dessen Volleyknaller der Balinger Schlussmann mit einer Fußabwehr zur Ecke lenkte (72.). In der turbulenten Schlussphase verhinderten Kellner und Raab gemeinsam den dritten Gegentreffer, als Schneckenberger völlig frei vor dem TSG-Kasten aufgetaucht war (84.). Die Riesenchance zum neuerlichen Ausgleich hatte Jörg Schreyeck: Nach einer Göbel-Kopfballverlängerung verzog der Mittelfeldspieler aus fünf Metern und traf nur das Außennetz (88.). Den Schlusspunkt setzte Brandstetter mit einem Foulelfmeter in der Schlussminute zum 3:1-Endstand.
Die TSG empfängt diesen Samstag (Beginn 15.30 Uhr) den FC 08 Villingen im Au-Stadion und gastiert am 27. September beim Kehler FV. Vor dem Auswärts-Dreierpack – in Großaspach (19. Oktober), Nöttingen (25. Oktober) und Au (1. November) – kreuzt der VfL Kirchheim (4. Oktober) auf.




Ralf Rangnick fordert den Aufstieg in die Regionalliga: Die Bundesliga-Reserve von 1899 Hoffenheim gilt als das Nonplusultra in der Oberliga. Beim Hopp-Klub gastiert am Sonntag (15 Uhr) die TSG Balingen. Die eine Variante wäre: Einmal Bundesligaluft einatmen – und zurück. Die zweite: Sich dem haushohen Favoriten stellen, auf jegliche Chance lauern und an eine Sensation glauben.
„Normalerweise“, sagt der Balinger Trainer Karsten Maier, „musst du so einem Gegner Geld bezahlen, damit er gegen dich spielt. Weil wir nun kostenlos in den Genuss eines derartigen Spieles kommen heißt das aber nicht, dass wir die Punkte herschenken werden.“ Hoffenheim – allein der Name polarisiert. Die einen verdammen Dietmar Hopps Millionen; die anderen sehen im SAP-Mitbegründer den sozial eingestellten, bodenständigen Typen, der so nebenbei ein paar Euro für den Fußball locker macht. Wie auch immer: Außer Frage steht, dass mit dem Geld einiges bewegt wurde – und bewegt werden soll. Neben dem sicheren Bundesliga-Mittelfeldplatz, den Ralf Rangnick & Co. anstreben, steht der Regionalliga-Aufstieg der „U 23“, also der zweiten Mannschaft, ganz oben auf der Hoffenheimer Agenda. Zu verlieren haben die Balinger am Sonntag nichts. Im Gegenteil. In jedem Fall werden sie gewinnen – und seien es nur ein paar bleibende Eindrücke von dem, wie Profifußball funktioniert. Fünf Trainer, zwei Physiotherapeuten, zwei Betreuer sowie ein Kontaktmann auf der Geschäftsstelle bilden den allein für die Oberliga-Elf zuständigen Stab. Das Team trainiert unter Vollprofi-Bedingungen und schlug in seinen letzten beiden Heimspielen sowohl Kirchheim als auch Mannheim jeweils mit 5:0. „Diese Mannschaft gehört aus der Oberliga raus, dann hat die Wettbewerbsverzerrung endlich ein Ende“, schreibt ein Mannheimer Fan in einem Internetforum. Hoffenheim 2 schaffte zwischen 1998 und 2001 vier Aufstiege in Folge – und damit der Sprung von der Kreisliga B in die Verbandsliga Baden. Im ersten Verbandsligajahr wurde die Mannschaft Zweiter, in der zweiten Runde stieg man in die Oberliga auf. 2007/08 verpasste Hoffenheim als Fünfter nur knapp die Qualifikation zur Regionalliga Süd. Im Team von Rainer Scharinger, der einst als Trainer des Bahlinger SC die TSG in der Relegation zur Oberliga bezwang, wimmelt es nur so von Auswahlspielern. Viele Akteure klopfen mit Vehemenz an die Tür zur Bundesliga und möchten sich Woche für Woche mit guten Leistungen empfehlen. Zu den wenigen Routiniers der Kraichgauer zählt der Toptorjäger Gilles Ekoto-Ekoto. Der 28-jährige Kameruner war schon Profi in Frankreich, spielte zuvor unter anderem beim SV Waldhof Mannheim und stieß im Sommer vom FC Nöttingen neu hinzu. „Hoffenheim ist eine Herausforderung, die wir gerne annehmen und auf die wir uns freuen“, sagt der Balinger Trainer Karsten Maier, der im Großen und Ganzen auf das Aufgebot vom Freiberg-Spiel (Endstand 1:2) zurückgreifen wird. Nach wie vor in der Schwebe ist der „Fall Dominik Stikel“. Bislang liegt die Freigabe für den 21-jährigen Neuzugang, der zuletzt in der zweiten holländischen Liga am Ball war, nicht vor. TSG-Spielleiter Bernd Jetter geht aber davon aus, dass bis Sonntag alles klar ist. Wegen einer privaten Verpflichtung ist der Einsatz von Sturmtank Tobias Göbel fraglich. Möglicherweise stößt der dreifache Saisontorschütze erst unmittelbar vor dem Spielbeginn zum Kader.

