

Mit 0:1 (0:1) unterlag die TSG Balingen dem designierten Oberliga-Meister SG Sonnenhof Großaspach. Der künftige Regionalligist siegte verdient: Großaspach geriet selten wirklich ernsthaft in Bedrängnis. „Balingen ist eine sehr schwere Aufgabe“, mutmaßte der Großaspacher Trainer Thomas Letsch vor dem Anpfiff – und lag mit dieser Feststellung zunächst gründlich daneben.
Denn schon nach knapp zwei Minuten führte der Tabellenführer: Der Balinger Torhüter Sebastian Kellner wehrte nach einer Ecke zwar den anschließenden Kopfball ab, war aber chancenlos, als Fabian Aupperle das Leder im Nachschuss zum 0:1 unter die Latte hämmerte. Bei der genaueren Spielbetrachtung ist freilich anzumerken: Während die Großaspacher in voller Besetzung antraten, verzichtete die TSG – teils freiwillig (Abstellungen zur zweiten 2. Mannschaft und zu den A-Junioren), teils notgedrungen (Verletzungen) – auf etliche Akteure. Karsten Maier stand somit nur ein Mini-Kader mit 13 Feldspielern zur Verfügung. Trotzdem kamen die Hausherren vor der Pause dreimal recht gefährlich auf. Nach einem Sahin-Freistoß köpfte der mit viel Elan ins Spiel gegangene Dominik Stikel vorbei (4.), Turan Sahin scheiterte nach Schreyeck-Zuspiel an Gäste-Keeper Jurkovic, der per Fußabwehr rettete (36.) und Felice Dilucia versuchte es aus 18 Metern, aber Jurkovic hielt sicher (41.). Die besseren Möglichkeiten besaß allerdings Großaspach. Krasniqis Ball landete jedoch auf statt im Tor (26.), Willig klärte auf der Linie (29.) und Sene scheiterte an Kellner (43.). Wohl auch deshalb, weil sein Team bis dahin klar auf Erfolgskurs lag, stimmte Thomas Letsch kurz vor dem Wiederanpfiff passend zur Pausenmusik die Luftgitarre an. Ohnehin präsentierte sich der Spitzenreiter ziemlich locker – keine Spur von Nervosität oder gar Verunsicherung, obwohl tags zuvor Verfolger Hoffenheim mit einem 4:1 in Crailsheim satt vorgelegt hatte. Einzige Ausnahme: Manuel Wengert zeigte dem Publikum und nach dem Schlusspfiff auch noch im Kabinengang gleich mehrfach den Stinkefinger – wieso auch immer. Sein pubertäres Verhalten blieb ungesühnt. Denn weder Schieds- noch Linienrichter bekamen Wengerts seltsame Anwandlungen mit. Im zweiten Durchgang kamen die Balinger etwas besser auf, spielten nun mutiger, waren von der Ballsicherheit des Gegners aber dennoch weit entfernt. Bezeichnend, dass bis in die Schlussphase, als sich selbst Sebastian Kellner ins Offensivspiel eingeschalten hatte, keine weitere Torchance des Tabellenführers registriert wurde. Stattdessen verzog Levent Üner aus 20 Metern knapp (47.), dann wurde eine Üner-Direktabnahme (Maier: „Der Ball wäre mit 120 Sachen ins Tor geflogen“) im letzten Moment abgeblockt (52.), schließlich hätte um ein Haar ausgerechnet das Effenberg-Double Wengert ein Eigentor erzielt (68.), Pflumm köpfte nach einer Ecke rechts vorbei (69.) und Sahins Kopfball, nach Willig-Flanke, schnappte sich Jurkovic (72.). Der Aspacher Schlussmann stand auch im Mittelpunkt, als er gegen den in Mittelstürmer-Manier heraneilenden Jörg Schreyeck Kopf und Kragen riskierte und seinem Team mit einer halsbrecherischen Aktion den nun wackelnden Vorsprung rettete (76.). Als die Balinger in den Schlussminuten alles und jeden – inklusive Keeper Kellner – nach vorne warfen, kam Großaspach, quasi zwangsläufig, zu Konterchancen. Krasniqi zielte drüber (86.), Binakaj traf den Außenpfosten (90.). So ganz wohl war’s Letsch trotzdem nicht, schließlich tauschte der SG-Coach mit Marschlich, Krasniqi und dem zum FC Bayern wechselnden Sene drei Offensivkräfte aus. Am Ende aber sollte seine Elf das 1:0 über die Runden retten.
Während Großaspach nach dem neunten Sieg aus den letzten zehn Spielen bereits mit einem weiteren „Dreier“ am kommenden Wochenende gegen Offenburg die Meisterschaft vollends klar machen kann, trifft die TSG Balingen am Samstag (15.30 Uhr) im neuerlichen Heimspiel auf den TSV Crailsheim. Es folgen dann noch das Auswärtsspiel beim Offenburger FV (30. Mai) und die Heimpartie gegen den VfR Mannheim (6. Juni/jeweils 15.30 Uhr).






Der Kracher am 31. Oberliga-Spieltag steigt am Samstag im Au-Stadion: Der Tabellendritte TSG Balingen empfängt den Spitzenreiter SG Sonnenhof Großaspach. Das Oberliga-Spitzenspiel zwischen Balingen und Großaspach elektrisiert die Fans und Beteiligten.
Die TSG rechnet mit mehr als 1000 Zuschauern, die sehen wollen, ob und wenn ja, wie sich der Außenseiter gegen den hohen Favoriten zu wehren versteht. Karsten Maier verspricht den Besuchern beste Unterhaltung: „Wir werden uns wie immer ins Zeug legen und alles dafür tun, damit Großaspach nicht in Balingen die Meisterschaft feiern darf“, sagt der Balinger Trainer. In der Tat könnte es aber soweit kommen. Dann nämlich, wenn der Tabellenzweite aus Hoffenheim in Crailsheim gänzlich leer ausginge – und Großaspach in Balingen voll punktet. Schon drei Spieltage vor dem Saisonende wäre in diesem Fall die SG „durch“ – der Aufstieg in die Regionalliga stünde fest. Am Großaspacher Titelgewinn zweifelt ohnehin niemand mehr – angesichts von sieben Punkten Vorsprung bei nur noch vier ausstehenden Spielen. Und angesichts des Klasse-Kaders, der Trainer Thomas Letsch zur Verfügung steht. Allein Saer Sene, der nach der Runde zum FC Bayern München wechselt, und Abedin Krasniqi haben zusammen 43 Tore erzielt. Selbst Nicolo Mazzola kommt als Edeljoker noch auf 15 Treffer. Dabei ist die Offensive nur ein Prunkstück des Teams. Im Tor steht mit Milan Jurkovic ein Keeper, der in 30 Spielen ganze 16 Gegentore kassierte. Cimander, Grab, Aupperle sowie die Ex-Profis Rehm, Schmiedel und Franz komplettieren die lange Liste jener Akteure, die längst ihre Regionalliga-Tauglichkeit unter Beweis gestellt haben. Umso erstaunlicher, dass die TSG im Hinspiel (0:0) einen Zähler aus Großaspach entführen konnte. Die SG hat in dieser Saison übrigens nicht nur in der Punkterunde überzeugt – auch im WFV-Pokal erreichten die Letsch-Schützlinge das Halbfinale. Auf dem Weg dorthin wurden unter anderem der Drittligist Stuttgarter Kickers (1:0) und der Regionalligist SSV Reutlingen (2:1) besiegt. Das Starensemble hat der Verein in erster Linie Uli Ferber zu verdanken. Der Spielervermittler und Erlebnisgastronom (Hotel „Sonnenhof“, Kleinaspach) hält im Hintergrund die Fäden in der Hand. Zwar bekleidet der einstige Mitbegründer der SG kein offizielles Amt mehr, gleichwohl war und ist er nach wie vor der starke Mann im Klub. Spieler und Trainer gehen in Ferbers Hotel ein und aus oder arbeiten in dessen Marketing-Agentur. Die Parkhaus-Decke des „Sonnenhof“ ist mit einem nagelneuen Kunstrasenbelag ausgelegt, auf dem die Mannschaft unter professionellen Bedingungen trainieren kann, zumal die gesamten Wellness- und Fitness-Räume des Hotels auch der SG zur Verfügung stehen. Was die TSG dagegen setzen kann? Eine Menge! Nur eines der zurückliegenden zehn Spiele ging verloren, zuletzt triumphierte die Elf von Karsten Maier mit 5:0 bei den Stuttgarter Kickers und sukzessive vergrößert sich nun der Spielerkader, weil sich zunehmend Akteure nach langen Verletzungspausen zurückmelden. Räume eng machen, auf Konter lauern, konzentriert, aber auch couragiert spielen: So dürfte die Devise des Tabellendritten lauten, der gerade in diesem Spitzenspiel auf die Zuschauer als zwölften Mann setzt.

