



Finale furioso: Mit einem 5:2 (1:1)-Sieg gegen den Offenburger FV verabschiedete sich die TSG Balingen in die Winterpause. Der Oberliga-Neuling verteidigte somit seinen starken dritten Tabellenplatz. „Die Balinger wären nach ihrem 1:5 gegen Walldorf wohl lieber sofort in die Winterpause gegangen“, mutmaßte der Offenburger Trainer Arnold Brunner vor einer Partie, die sehr viel Unterhaltungswert bot.
Zudem kündigte der OFV-Coach an: „Wir sehen uns in einer guten Position: Nach zwei Spielen ohne Niederlage wollen wir auch hier punkten.“ Nun: Daraus wurde nichts. Und das, obwohl die Offenburger einen wahren Traumstart erwischten. Bereits nach wenigen Sekunden schlug's im Balinger Kasten ein, wobei TSG-Keeper Sebastian Kellner beim Flachschuss von Alexander Christ keine glückliche Figur abgab. Auch in der Folgezeit trat der Tabellenletzte nicht wie ein designierter Absteiger auf: Die Ortenauer verzeichneten bei einem Freistoß von Dominik Gassmann, den Kellner sicher parierte, noch vor der Pause eine weitere Einschussmöglichkeit. Allerdings fanden die Balinger nach der kalten 0:1-Dusche aus der ersten Minute mit zunehmender Spieldauer besser in die Begegnung. Ein Ketis-Freistoß zischte links vorbei (4.), dann stand Jörg Schreyeck nach einem Doppelpass mit Marc Buchstor mutterseelenallein vor OFV-Schlussmann Alen Arnautovic, blieb aber an dessen Beinen hängen (22.). Manuel Pflumm traf nach einer Sahin-Freistoßflanke mit dem Kopf den linken Pfosten (36.). Besser machte es Martin Taube, der in der 40. Minute den Ausgleich besorgte: Wieder hatte Sahin geflankt, Taube lief durch und rammte das Leder am verdutzten Arnautovic vorbei ins Tor, das 1:1. Im zweiten Durchgang steigerten sich die Hausherren gewaltig. Sahins 20 Meter-Schuss entschärfte Arnautovic (46.), Taubes Versuch aus kurzer Distanz wurde erst auf der Torlinie geklärt (49.). Das zweite TSG-Tor lag förmlich in der Luft. Nach einer Sahin-Hereingabe sollte es soweit sein: Buchstor nickte den heranfliegenden Ball schulbuchmäßig, entgegen die Laufrichtung von Arnautovic, zum 2:1 ein (53.). Wieder Buchstor (58.) und Sahin (60.) hätten frühzeitig den Sack zumachen können, ehe Offenburg ein letztes Lebenszeichen aussendete. Doch Sebastian Kellner hielt den knappen Vorsprung fest, als Alexander Christ urplötzlich frei vor ihm auftauchte (66.). Das 3:1 bedeutete schon die Entscheidung: Buchstor hatte sich auf der rechten Seite klasse durchgesetzt, spielte in die Mitte – und Sahin konnte nur noch durch ein Foul gestoppt werden. Turan Sahin selbst schnappte sich das Spielgerät und verwandelte den Elfmeter ganz sicher zum 3:1 (68.).
Um ein Haar hätte der starke Buchstor gleich nachgelegt, blieb aber gegen Arnautovic diesmal zweiter Sieger (70.). Gegen jetzt wie entfesselt aufspielende Balinger hatte Offenburg nun gar nichts mehr zu bestellen. Jörg Schreyeck verwertete ein Zuspiel folgerichtig gar zum 4:1 (77.). Auch Erik Raab hätte sich beinahe in die Torschützenliste eingetragen (80.) und insbesondere der eingewechselte, sehr agile Dominik Stikel schnupperte mehrfach an einem Treffer (78., 79., 80.). Immerhin legte Stikel das fünfte Tor toll auf: Marc Buchstor brauchte den Querpass in der 81. Minute nur noch einzuschieben.
Kaum mehr als Ergebniskosmetik war das 5:2 durch Christ (85.). „Ich bin stolz auf das, was die Mannschaft in diesem Jahr geleistet hat“, sagte der Balinger Trainer Karsten Maier nach dem Schlusspfiff – und schob nach: „2008 war ein überragendes Jahr für die TSG Balingen. Ein Riesenkompliment an meine Spieler.“ Gäste-Coach Arnold Brunner nahm an der Pressekonferenz nicht mehr teil: Der OFV-Übungsleiter brach direkt im Anschluss ans Spiel in den Skiurlaub auf. So lag es an Teammanager Heinz Falk, ein Statement abzugeben: „Am Balinger Sieg besteht kein Zweifel. Als Trost bleibt nur, dass wir unsere Mannschaft auch schon anders, nämlich deutlich besser, gesehen haben.“






Da kommt ein schwerer Brocken auf die TSG Balingen zu: Im Oberliga-Nachholspiel empfängt der Aufsteiger diesen Samstag (13.30 Uhr) den aufstrebenden, zuletzt zweimal unbesiegten Offenburger FV. Der passende Gegner zur rechten Zeit? Zweifel sind angebracht – auf jeden Fall aber Respekt.
Denn zwar kreuzt zum Nachholspiel am Samstag (Anpfiff bereits um 13.30 Uhr) wie schon Ende November (damals wurde die Partie abgesagt) der Tabellenletzte auf. Doch eben jener Offenburger FV haute zuletzt mächtig auf den Putz. 0:2 lag das Schlusslicht sowohl gegen den SGV Freiberg als auch gegen die Spvgg Au zurück – und beide Spiele endete dennoch erfolgreich. Gegen Freiberg sprang am Ende ein 3:3 heraus, Au wurde sogar mit 5:2 geschlagen. Am vorigen Wochenende waren die Ortenauer nicht im Einsatz: Das Spiel bei der Kickers-Reserve fiel aus. Trotz vier OFV-Punkten und 8:5 Toren aus den jüngsten zwei Duellen steht fest: Die Glücksgöttin Fortuna hat ihr Füllhorn bislang nicht über dem Offenburger FV ausgeschüttet. Vor dem 5:2 gegen Au ging der Balinger Mitaufsteiger nur beim ASV Durlach (2:1) als Sieger vom Platz. Besonders bitter: Schlüsselspiele wie gegen Kirchheim (2:3), Kehl (1:2), Mannheim (1:2) oder in der Hinrunde in Au (0:1) gingen ebenso knapp verloren wie die Vergleiche mit etlichen Topteams (jeweils 0:1 gegen Walldorf, Villingen und Nöttingen). Zudem auffallend: Viele Gegentore handelte sich der deutsche Amateurmeister von 1984 und zehnmalige DFB-Pokalstarter in den letzten Spielminuten ein. Mit einigen Neuzugängen schien Offenburg in der Sommerpause alles daran gesetzt zu haben, dass sich das Team in der Oberliga etablieren kann. Zumal die Neuerwerbungen – wie im Falle von Torjäger Alexander Christ – entweder aus höheren Ligen kamen, oder aber aus der Talentschmiede des SC Freiburg und von den eigenen A-Junioren, die im Vorjahr in der Bundesliga gespielt haben. „Über kurz oder lang müssen wir aber dazu kommen, dass wir uns auf die Region stützen“, sagt OFV-Coach Arnold Brunner, der die Balinger nur vage kennt: „Ich habe ein paar Videos gesehen. Wir müssen aber auf uns schauen und orientieren uns grundsätzlich nicht am Gegner.“ Die TSG Balingen hat das 1:5 gegen Walldorf abgehakt und blickt zuversichtlich, beinahe trotzig, nach vorn: „Wir werden uns gegen Offenburg anders präsentieren“, verspricht Trainer Karsten Maier, der auf seinen Kreativspieler Lukas Foelsch (gesperrt) verzichten muss, dafür aber wieder Stammkeeper Sebastian Kellner zur Verfügung stehen hat. So oder so: Der Coach des Tabellendritten wird wohl ein paar Änderungen vornehmen – und sei es „nur“ an der taktischen Ausrichtung. Schließlich wird gerade ihm die Darbietung bei der jüngsten Heimpleite am wenigsten gefallen haben. Maier: „Am Samstag zählt einzig das Ergebnis.“

