



Im neunten Saisonspiel fuhr die TSG Balingen den sechsten Saisonsieg ein. Beim Oberliga-Mitaufsteiger Kehler FV gewann der Neuling mit 2:0 (0:0). Diesen Samstag kreuzt der VfL Kirchheim an der Eyach auf.
Unentschieden stehen anscheinend nicht auf der Balinger Agenda für die Oberligarunde 2008/2009. Die TSG ist die einzige Mannschaft, die nach neun Saisonspielen noch kein Remis aufweist. Den drei Niederlagen stehen einzig Siege gegenüber. Auch beim Kehler FV behielt die Elf von Karsten Maier am Ende etwas glücklich, aber durchaus verdient mit 2:0 die Oberhand. Der Balinger Trainer musste kurzfristig auf den mit einem grippalen Infekt kränkelnden Kevin Ketis verzichten. Während des Spieles verletzte sich zudem Bernd Bauer, der die Nacht von Samstag auf Sonntag im Kehler Krankenhaus verbringen musste. Bauer zog sich bei einem Zweikampf eine Gehirnerschütterung zu. In einer auf mäßigem Niveau stehenden Partie waren Torchancen zunächst Mangelware. Für die erste Aufregung sorgte ein Foul an Turan Sahin, der nach Pflumm-Göbel-Vorarbeit im Kehler Strafraum zu Fall kam. Schiedsrichter Tobias Fetts Pfeife blieb aber stumm (5. Minute). Auch Kehl hätte im ersten Durchgang einen Treffer verdient gehabt, doch strich Christian Segers Distanzschuss drüber (8.) und Nicolas Mätz traf mit einem Schlenzer nur die Querlatte (13.). Die zweite Einschussmöglichkeit für die Balinger besaß Manuel Pflumm, dessen 20 Meter-Freistoß der ansonsten sehr sicher wirkende KFV-Keeper Tobias Kornmaier erst im Nachfassen unter Kontrolle brachte (41.).
Nach dem Seitenwechsel brachte Maier für den verletzten Bernd Bauer seinen Neuzugang Dominik Stikel ins Spiel. Und der 21-Jährige fügte sich gut ein. Gegen die phasenweise verunsichert wirkenden Ortenauer behauptete Stikel gut den Ball und belebte die Offensivaktionen der TSG spürbar.
Bitter wär's in der 66. Minute geworden, hätten die Balinger in dieser Szene ein Gegentor kassiert: In aussichtsreichster Position versprang Tobias Göbel zunächst das Leder und im Gegenzug köpfte Pflumm an den eigenen Pfosten. Die heikle Situation hatte ihr Gutes, denn sie diente den Kreisstädtern als „Hallo wach“-Moment. Denn von nun an agierten die Gäste etwas souveräner und abgeklärter. Nach einem weiten Göbel-Einwurf wurde Lukas Foelsch im Kehler Strafraum umgestoßen und Schiri Fett entschied spontan auf Elfmeter. Turan Sahin beförderte die Kugel ins rechte Toreck, KFV-Schlussmann Kornmaier wählte die andere Seite - und es stand 0:1. Mit Üner und Dehner brachte Maier zwei weitere Offensivkräfte, die sich allerdings nicht wirklich entscheidend in Szene setzen konnten. Dennoch: Ein Üner-Freistoß wurde erst kurz vor der Torlinie geklärt (77.). Klasse reagierte TSG-Torhüter Sebastian Kellner, als er einen Kopfball von Paul M'Bela aus kurzer Distanz stark parierte (88.). Für die Entscheidung sorgten die Hausherren mit einm kuriosen Treffer. Als sie in der Schlussphase alles nach vorn warfen, und auch Keeper Kornmaier sich Richtung Balinger Hälfte orientierte, überlistete Dominic Kaltenbach seinen eigenen Tormann mit einem Rückpass, der aufreizend lange Richtung Kehler Gehäuse kullerte und schließlich einschlug - das aus Kehler Sicht bittere 0:2 (90.). Mit dem Sieg im deutsch-französischen Grenzort stockten die Maier-Schützlinge ihr Punktekonto auf 18 Zähler auf. Einen Grund, sich nun zurückzulehnen, gibt es deswegen aber nicht. Denn im anstehenden Heimspiel gegen den Tabellenletzten VfL Kirchheim (Samstag, 15.30 Uhr, Au-Stadion), der am Wochenende recht unglücklich dem neuen Spitzenreiter SG Großaspach mit 0:1 (0:1) unterlag, hat es der Verbandsliga-Meister mit einem zu allem entschlossenen Kontrahenten zu tun.
Bis dahin sollten Bernd Bauer und Kevin Ketis wieder zur Verfügung stehen, allerdings fällt Rob Miller (Rücken- und Fersenverletzung) weiterhin aus. Ein Einsatz von Martin Taube käme noch deutlich zu früh, doch zeichnet sich ab, dass der Abwehrrecke in wenigen Wochen wieder zum Team zurückkehren könnte.
Stimmen zum Spiel
Bora Markovic haderte mit dem fehlenden Glück: „Wir hätten einen Punkt verdient gehabt“, meinte der Kehler Coach nach der 0:2-Heimniederlage seines Teams gegen die TSG Balingen. „Wir hatten eine problematische Woche“, ließ Bora Markovic wissen und zeigte auf: „Nach der herben 0:8-Niederlage in Großaspach durchschritten wir das Tal der Tränen. Deshalb wäre es wichtig gewesen, wenn wir gegen Balingen wenigstens ein Unentschieden erreicht hätten.“ Immerhin: Seiner Elf bescheinigte Markovic, mit „Leidenschaft und Herz“ agiert zu haben. Gegen einen „guten Gegner“ hätten sich seine Schützlinge aber speziell bei den Gegentreffern „amateurhaft“ angestellt. „Die Niederlage ist sehr unglücklich und stimmt mich sehr traurig“, meinte der Kehler Trainer, der Balingen als „leichtfüßigen, beweglichen und diszipliniert auftretenden“ Kontrahenten bezeichnete. Der Balinger Übungsleiter Karsten Maier anerkannte das Bemühen der Kehler, die seiner Meinung nach „aggressiv und leidenschaftlich“ dagegen gehalten haben. „Man hat deutlich gesehen, dass Kehl die Schlappe der Vorwoche korrigieren wollte“, sagte Maier, dem jedoch sauer aufstieß, dass Schiedsrichter Tobias Fett nicht schon in der fünften Minute auf den Elfmeterpunkt zeigte: „In dieser Situation wäre ein Strafstoß die einzige logische Entscheidung gewesen.“ Seinen Auserwählten kreidete Maier an, „mit zu wenig Präzision“ zu Werke gegangen sein und räumte ein, „dass wir hier und da etwas Glück hatten.“ Nach der Pause habe sich sein Team allerdings gesteigert und sich den „Dreier“ auch verdient. Dem Kehler FV machte Maier Mut: „Wenn ihr weiter so spielt, werden sich auch wieder Erfolge einstellen“, sagte der Balinger Trainer zu seinem niedergeschlagenen Kollegen Bora Markovic.




Die TSG Balingen tut gut daran, ihren Gastgeber Kehler FV ernst zu nehmen. Denn nach dem 0:8 in Großaspach ist der Balinger Oberliga-Mitaufsteiger am Samstag (15.30 Uhr) auf Wiedergutmachung aus.
Warnende Beispiele gibt es genug – selbst, oder gerade, in der Oberliga. Vor zwei Jahren verlor Großaspach gegen den SV Sandhausen mit 1:10, gewann wenige Wochen später aber mit 3:2 beim Titelanwärter SSV Ulm 1846. Oder 2005: Der SGV Freiberg ging in Ulm mit 0:13 unter und putzte nur acht Tage darauf auswärts den damaligen Topfavoriten TSV Crailsheim (2:1). Sowohl Freiberg als auch Großaspach konnten seinerzeit übrigens die Liga halten. Nun erwischte es also Kehl: 0:8 bei der SG Großaspach – zweifellos eine bittere Schlappe, an der die Ortenauer zu knabbern haben. Dabei startete das Team sehr elanvoll in die Runde. Drei Siege (3:1 gegen Illertissen, 2:1 gegen Crailsheim, 4:0 gegen Kirchheim) feierte der Neuling im heimischen Rheinstadion, aus dem bislang einzig Hoffenheim 2 (0:2) die Punkte entführen konnte. Trotz des jüngsten Debakels belegt Kehl als 13. keinen Abstiegsplatz. Mit einem Sieg gegen die TSG wäre man bis auf zwei Punkte an den Balingern dran. Sieben Franzosen, 19 Deutsche, ein Türke und ein seit elf Jahren tätiger serbischer Trainer bilden das Gerüst des Kehler FV, der aufgrund der räumlichen Nähe zum Elsass enge Verflechtungen in den Großraum Strasbourg pflegt. Ende des 17. Jahrhunderts zählte Kehl sogar kurzzeitig zu Frankreich. „Wir standen heute absolut neben uns. So etwas ist der Mannschaft noch nie passiert – und mir auch nicht“, suchte der Kehler Coach Bora Markovic nach dem 0:8 in Großaspach erst gar nicht nach Entschuldigungen. Vielmehr gibt er sich vor dem Balinger Gastspiel im Rheinstadion zuversichtlich: „Die Mannschaft wird aus der Niederlage lernen. Sie hat Charakter und wird wiederkommen.“
Als Saisonziel gibt der südbadische Traditionsverein bescheiden den Klassenerhalt an. Präsident Claus Haberecht sagt: „Wir sind ein Aufsteiger ohne namhafte Neuzugänge. Wir können keine großen Sprünge machen. Unser Ziel kann nur Klassenerhalt lauten. Alles andere wäre bei sechs möglichen Absteigern Utopie.“
Um die Finanzen müssen sich die Kehler keine Sorgen machen, verspricht Haberecht: „Wir haben in der Verbandsliga gut gewirtschaftet und werden uns auch in der Oberliga nicht übernehmen“, ist er überzeugt. Der KFV kann auf ein treues Stammpublikum bauen: Alleine 200 Dauerkarten wurden für die laufende Runde abgesetzt. Im Schnitt strömten bislang 600 Fans zu den Heimspielen. Auffallend groß ist der Kehler Kader, dessen Liste stattliche 27 Namen umfasst. Allein zehn „Neue“ wurden nach dem Aufstieg verpflichtet. „Unser Aufgebot hat an Stärke gewonnen, denn wir haben Spieler geholt, die wir gebraucht haben“, erklärt Markovic, weshalb die Verantwortlichen viel Aktionismus an den Tag legten. Speziell auf die schnellen, brandgefährlichen Kehler Sturmspitzen Dussot und M’Bela müssen die Balinger achten. TSG-Trainer Karsten Maier muss am Samstag (Busabfahrt 10.15 Uhr) in der Ortenau auf den Texaner Rob Miller verzichten, der mit Rückenbeschwerden und einer Fersenverletzung möglicherweise deutlich länger ausfällt, als bislang angenommen wurde. Zudem ist Sebastian Kellner nach wie vor angeschlagen. Dafür stieg nach langer Verletzungspause Martin Taube ins Lauftraining ein. Nach seinem Syndesmosebandriss kann der Abwehrchef aber frühestens in zwei, drei Wochen wieder mit der Mannschaft üben.

