



Aus dem Zollern-Alb-Kurier:
Der FC Wangen bleibt Balingens Angstgegner. Beim Schlusslicht kassierte der Fußball-Verbandsligist seine erste Saisonniederlage: Die Allgäuer gewannen gegen die TSG mit 2:1 (1:0). Die TSG Balingen besitzt das zweifelhafte Talent, strategisch wichtige Spiele in den Sand zu setzen. Ausgerechnet vor dem Spitzenduell gegen den TSV Schwieberdingen blamierte sich die Elf von Trainer Karsten Maier beim Tabellenletzten. Wangens Schlüssel zum Erfolg: Die überragenden Routiniers Nito Fereiro und Seyni Diatta kurbelten - wie nicht anders erwartet - das Offensivspiel an. Zudem hatte Balingen an der roten Karte gegen TSG-Keeper Igor Idjakovic, der in der 64. Minute Diatta zu Fall gebracht hatte, zu knabbern. Unterm Strich zeigten die Kreisstädter zu wenig, um Platz eins zu verteidigen. Schlampige Abspiele und ein unentschlossenes Defensivverhalten bauten Wangen förmlich auf. Nur in der Anfangsphase wusste die TSG beim bis dato punktlosen Gastgeber zu gefallen. Di Lucia (6.) und Bezirgianidis (17., 19.) versemmelten die mögliche Gäste-Führung. Wangen roch Lunte, als Diatta (23.) und Fereiro (26.) erstmals gefährlich aufblitzten. Nach einem langen Einwurf konnte Idjakovic nicht klären, Diatta war zur Stelle und traf schließlich zum 1:0 (34.). Vor der Pause vergab noch zweimal Di Lucia (36., Abseitstor und 44.).
Nach dem Wiederanpfiff startete die TSG etwas schwungvoller. Nikolic (48.) und Schelling (63.) scheiterten knapp. Fatalerweise pfiff Schiri Serkan eine Vorteilssituation ab, als Nenad Nikolic in der 60. Minute alleine durchgebrochen war. Nach Idjakovic' Feldverweis (64.) bewies die TSG Moral. Nikolic zirkelte einen Freistoß zum 1:1 in den Torwinkel (68.). Wangen blieb dennoch dran. Diatta (75.) und Schwägele (86.) hatten den zweiten Treffer auf dem Fuß. In der vorletzten Minute wurden die unermüdlich kämpfenden Allgäuer für ihre Bemühungen belohnt: Christian Scholz schaltete aus dem Getümmel heraus am schnellsten und hämmerte das Leder zum verdienten 2:1-Siegtreffer ins Netz (89.). Balingen, das in elf Verbandsliga-Spielzeiten nur ein einziges Mal in Wangen gewann (1997 unter Trainer Frank Elser), hätte beinahe noch den Ausgleich markiert. Doch in der Nachspielzeit klärte Wangens Keeper gegen Bezirgianidis (91.).
TSG Balingen: Idjakovic; Willig, Ewert, Schelling, Taube (64. Bormann), Schreyeck (76. Todorovic), Di Lucia, Heinrich (46. Schippert), Bezirgianidis, Nikolic, Sahin.
Tore: 1:0 Diatta (34.), 1:1 Nikolic (68.), 2:1 Scholz (89.).
Rote Karte: Idjakovic (64./Balingen) nach grobem Foulspiel.
Schiedsrichter: Serkan, Illertal.
Zuschauer: 250.


Der Erste beim Letzten: Verbandsliga-Spitzenreiter TSG Balingen tritt am Samstag (15.30 Uhr, Allgäustadion) beim FC Wangen an. Die Allgäuer zieren mit null Punkten das Tabellenende. Württembergischer Meister, DFB-Pokalteilnehmer, Erster in der ewigen Verbandsliga-Tabelle: Der im Sommer 100 Jahre alt gewordene FC Wangen ist alles andere als ein Niemand im Amateurfußball. Doch der Spagat zwischen Tradition und Moderne bereitet den Allgäuern in ihrem 24. Verbandsliga-Jahr Probleme: Der Anspruch deckt sich nicht mit der Wirklichkeit. Das zu dieser Saison verjüngte Team ist Schlusslicht, weist 5:21 Tore und null Punkte auf. Vor dem Heimspiel gegen die TSG Balingen macht der Tabellenletzte nun mobil: Mit Nito Fereiro, der beim 2:3 gegen Böblingen sein Comeback feierte, und Seyni Diatta gruben die Allgäuer zwei Urgesteine aus besseren Tagen aus. "Ich bin überzeugt davon, dass uns die beiden Routiniers weiterhelfen werden", sagt FC-Trainer Karsten Krannich, der - anders lautenden Meldungen zum Trotz - fest im Sattel sitzt. Pressesprecher Michael Scheidler stellt klar: "Krannich genießt uns vollstes Vertrauen." Gleichwohl verhalf die bislang praktizierte "Alles-wird-gut-Methode" den Wangenern nicht zu Punkten. Nach dem 2:3 gegen Keller-Kollege Böblingen ärgerte sich Krannich: "Jetzt waren wir mit dem Gegner auf Augenhöhe, wir hätten ihn schlagen können, ja fast müssen." Die Niederlagenserie erhöhte zuletzt den Druck auf Verein und Verantwortliche, die mit der Rückkehr von Diatta und Fereiro ein Zeichen gesetzt haben. "Das war ein Gedankengang vom Vorstand, und der ist gut", schwächt Krannich ab. Er fügt aber an: Die Qualität eines Nito Fereiro stehe außer Frage. In das vom Klub propagierte Jugendkonzept passten selbst die altgedienten Akteure - denn: "Zum Konzept gehört auch, dass wir endlich Spiele gewinnen wollen." Ähnlich verhält es sich mit der TSG Balingen. "Wangen muss sich einen anderen Aufbaugegner aussuchen", meint Karsten Maier selbstbewusst. Der Balinger Coach freut sich über die baldige Rückkehr der zuletzt langzeitverletzten Martin Cus und Tobias Göbel, die im Allgäu möglicherweise zum Aufgebot gehören. Auf die leichte Schulter nimmt Maier den Außenseiter nicht: "Wangen wird uns kämpferisch alles abverlangen. Doch wir werden voll dagegenhalten." Für Schlachtenbummler besteht erneut Mitfahrgelegenheit im Mannschaftsbus. Abfahrt ist am Samstag um 11 Uhr beim Au-Stadion.

