



In der Nachspielzeit fixierte Jörg Schreyeck den 2:1-Derbysieg der TSG Balingen gegen den FC 08 Villingen. 1800 Zuschauer sahen ein intensives Oberliga-Duell, in dem die TSG ein klares Chancenplus besaß. „Das war verdient“, meinte der Siegtorschütze Jörg Schreyeck nach dem Schlusspfiff – und begründete: „Läuferisch und kämpferisch waren wir schlichtweg die bessere Mannschaft.“
1800 Fans lockte das Derby an – mit Abstand der bisherige Saisonrekord in der Oberliga-Saison 2008/2009. Um es vorweg zu nehmen: Die friedlich gestimmten Fans bereuten ihr Kommen nicht. In einem kurzweiligen, weil intensiv geführten Spiel, schenkten sich Balingen und Villingen nichts. Schon im ersten Durchgang verzeichnete die TSG die deutlich besseren Einschussmöglichkeiten. Nur eine davon nutzte der Aufsteiger: Bernd Bauer erzielte mit dem Kopf nach einem weiten Ketis-Einwurf und anschließender Pflumm-Verlängerung das ebenso frühe wie verdiente 1:0 (8. Minute). Der enorm laufstarke Bauer ließ danach allerdings weitere Topchancen aus. In der zwölften und 18. Minute scheiterte der Mössinger an FC 08-Keeper Daniel Miletic und kurz vor der Pause knallte er eine Direktabnahme knapp drüber (44.). Miletic reagierte auch bei Felice Dilucias 16 Meter-Schuss glänzend (17.) und rettete nach einem Göbel-Sahin-Doppelpass mit einer spektakulären Fußabwehr (20.). Zudem setzte Tobias Göbel nach einer Sahin-Ecke einen Kopfball zu hoch an (30.). Villingen kam nur einmal gefährlich auf: Jago Maric zog aus 18 Metern ab, doch TSG-Keeper Manuel Raisch lenkte das Leder zur Ecke (16.). Stichwort Raisch: Der für den bisherigen Stammtorhüter Sebastian Kellner (verletzt) aufgebotene Schlussmann zeigte eine vorgestern gute Leistung.
Im zweiten Durchgang drängten die Balinger weiter aufs zweite Tor – lange Zeit aber vergeblich. Göbel und Sahin waren zu überrascht, als der verwaiste Ball nach einem Villinger Querschläger durch den Strafraum kullerte (51.), Sahin zielte beim anschließenden Konter drüber (52.) und verstolperte das Leder nach einer Göbel-Hereingabe (58.). Erneut stand Sahin im Mittelpunkt, als dessen Drehschuss von einem Abwehrspieler im letzten Moment von der Linie geschlagen wurde (60.) und als er nach einem Foelsch-Pass an Miletic hängen blieb (70.). Mehr und mehr meldete mit fortwährender Spieldauer auch Villingen seine Ansprüche an. Schon in der 59. Minute brannte es nach einem Solo von Ex-Kickers-Profi Jago Maric lichterloh im Balinger Strafraum, dann knallte Mario Klotz den Ball knapp drüber (73.). Das 1:1 deutete sich an – und fiel auch. Exakt in der Phase, als die Balinger in ein läuferisches Loch fielen, glichen die Schwarzwälder aus. Eine noch abgefälschte Hereingabe staubte Alexander German zum 1:1 ab (80.). Auf den Rängen herrschte Ernüchterung – doch der Balinger Trainer Karsten Maier behielt kühlen Kopf und bewies Mut. Spontan wechselte er mit Üner, Stikel und Dehner drei neue Offensivkräfte ein, die das Spiel deutlich beleben sollten. Eine Schreyeck-Flanke segelte in der 87. Minute an Freund und Feind vorbei, doch der aus Hartheim stammende Mittelfeldspieler rückte schließlich doch noch zum Matchwinner auf: Levent Üner schnippelte in der Nachspielzeit einen Freistoß in den Villinger Strafraum, Jörg Schreyeck lauerte am kurzen Pfosten, hielt den Kopf hin – und traf! Die Zuschauer hielt es nach diesem 2:1 nicht mehr auf den Sitzen, ein wahrer Jubelorkan fegte durch das Au-Stadion. Mit dem Sieg haben die Balinger ihr Punktekonto auf 15 Zähler aufgestockt – und rangieren als Tabellenfünfter nur knapp hinter Villingen (14), das gegen die TSG erst seine Gegentreffer Nummer vier und fünf kassierte. Diesen Samstag (Beginn 15.30 Uhr) gastiert die TSG Balingen beim nordbadischen Mitaufsteiger Kehler FV und empfängt eine Woche später (4. Oktober, 15.30 Uhr) den VfL Kirchheim. Nach dem Heimspiel gegen die Teckstädter folgt ein Auswärts-Dreierpack mit Auftritten bei der SG Großaspach (19. Oktober, 15 Uhr), beim FC Nöttingen (25. Oktober, 15.30 Uhr) und bei der Spvgg Au (1. November, 14.30 Uhr).




Für viele ist es das „Spiel der Spiele“, ganz bestimmt aber steigt ein Oberliga-Derby mit speziellen Vorzeichen: Die TSG Balingen empfängt am Samstag (15.30 Uhr, Au-Stadion) den FC 08 Villingen. „Villingen hat den Tabellenführer geschlagen und schielt nun selbst ganz nach oben“, sagt der Balinger Trainer Karsten Maier, der dieses quasi einzige Nachbarschaftsduell in der Oberliga als „besondere Herausforderung“ umschreibt.
„Wir werden selbstbewusst auftreten und dagegen halten“, verspricht Maier den hoch favorisierten Gästen aus dem Schwarzwald morgen einen heißen Tanz. Bei diesem Vorhaben müssen die Balinger aller Voraussicht nach auf ihren „Mister zuverlässig“ im defensiven Mittelfeld verzichten: Der Texaner Rob Miller fällt ziemlich sicher aus. Bei der 1:3-Niederlage in Hoffenheim verletzte sich der 25-Jährige am Sprunggelenk. Raab, Pflumm und Kellner sind ebenfalls angeschlagen. Mit dem FC 08 Villingen kreuzt ein sportlicher Hochkaräter auf. Torhüter Daniel Miletic zählt zu den Besten seines Fachs, David D’Incau spielte schon beim SC Pfullendorf, Mario Ketterer war beim SV Sandhausen, Kapitän Jago Maric versuchte sich als Profi bei den Stuttgarter Kickers und Mario Klotz stand in Diensten des SSV Ulm 1846. Die Liste ließe sich beliebig verlängern – mit teils routinierten, talentierten Kickern, die über jahrelange Erfahrung im höheren Amateurbereich oder in den Junioren-Bundesligen verfügen. Trotzdem stapelt der Villinger Coach Reiner Scheu tief: „Wir hatten im Sommer auch einige Abgänge und müssen die Neuzugänge erst integrieren.“ Vorrangiges Ziel sei nicht der Regionalliga-Aufstieg, sondern die Konsolidierung – auf und neben dem Platz. Allen Nebengeräuschen – FC 08-Präsident Leo Grimm trat zurück, die Schulden sollen sich auf 500 000 Euro belaufen – trotzen Scheus Schützlinge bislang mit Bravour. Zuletzt gab es ein vielumjubeltes 1:0 im Spitzenspiel gegen den bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer SG Großaspach. „Die haben sich gefreut wie die Kinder“, lässt Reiner Scheu wissen. Seine Mannschaft startete nach dem Triumph spontan ein Kabinenfest, während die 1300 Zuschauer johlend auf der Tribüne tanzten. Mit einer gewaltigen Unterstützung rechnet Scheu auch am Samstag: „Unsere Fans zeigen Emotionen, feuern uns an und treiben uns zu Höchstleistungen“, zeigt sich der Villinger Trainer begeistert. Dabei rangieren die Balinger in der „Zuschauer-Tabelle“ nur knapp hinter den Villingern auf Platz zwei: Die vier Heimspiele des FC 08 verfolgten 4200 Besucher (Schnitt 1050). Zu den bisher vier TSG-Partien im Au-Stadion strömten 3900 Fans (975). Übrigens ist in Villingen nicht nur die Mannschaft gut aufgestellt – auch im Umfeld setzt man auf Professionalität. So fungiert der 37-jährige Ex-Profi Uwe Schneider (99 Bundesligaspiele für den VfB, Bochum und Frankfurt; 1992 mit Stuttgarter Deutscher Meister) beim FC 08 als Sportdirektor. Zudem verfügt der Verein über einen buchstäblich erstklassigen Unterbau, haben die eigenen A-Junioren – noch unter Trainer Reiner Scheu – in der Vorsaison doch den erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Die B-Junioren gehören der Oberliga Baden-Württemberg an, die C-Junioren kicken in der Südbadenliga. Von alledem nehmen die Balinger Notiz, wollen sich aber nicht davon beeindrucken lassen, sondern einmal mehr mit großem Mut den Kampf „David gegen Goliath“ aufnehmen. „Wir freuen uns riesig auf dieses Derby“, sagt Karsten Maier, der auch auf den „zwölften Mann“, die Fans, setzt.

