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Aus der Traum...  (08.06.06)


Es hat wieder nicht gereicht. Zum zweiten Mal in Folge verspielte die TSG Balingen den Aufstieg in die Oberliga. Gestern verlor der Verbandsliga-Vizemeister gegen den Bahlinger SC mit 1:2 (0:0).

Die Kreisstädter waren dran - mehr aber nicht. Denn nach Tobias Göbels 1:0 schien die TSG tatsächlich zumindest eine Verlängerung erreichen zu können. Am Ende aber schockten sich die Hausherren durch ein halbes Eigentor zum 1:1 selbst. Der Siegtreffer der Südbadener hatte nur noch statistische Bedeutung. Bitter für die TSG. Aber wer wie der Bahlinger SC alle vier Aufstiegsspiele für sich entscheidet, steigt nicht unverdient auf. Zum Personal: Balingens Trainer Karsten Maier nahm gegenüber dem Hinspiel nur eine Änderung vor: Für Michael Bezirgianidis rückte der zuletzt gesperrte Turan Sahin in die Startelf. Lange Zeit unsicher war der Einsatz von Nico Willig. Doch der Kapitän biss auf die Zähne und spielte trotz einer schmerzhaften Verletzung. Der Bahlinger SC vertraute voll und ganz der Formation, die sich am Pfingstmontag mit 1:0 durchgesetzt hatte. Volksfeststimmung im Au-Stadion. Das Relegations-Rückspiel mobilisierte die Massen. 3000 Zuschauer wollten sehen, ob die TSG tatsächlich den erstmaligen Aufstieg in die Oberliga realisieren würde. Und die Neugierigen bekamen von beiden Mannschaften ein flottes, intensives und auf beachtlichem Niveau stehendes Duell geboten.
Die Hausherren starteten entschlossen, suchten den Weg zum Tor. Auf der Gegenseite gab's allerdings die erste Chance, als Jens Scheuer einen Freistoß drüber setzte (8. Minute). Dann verzog Gino Palmiero nach Göbel-Zuspiel aus spitzem Winkel (9.). Nach 28 Minuten parierte Bahlingens Keeper Mario Neumann einen Palmiero-Freistoß nur mit Mühe. Turan Sahin versuchte es aus vollem Lauf, doch Neumann hielt (38.). Schon früh tauschten beide Teams aus: Bei der TSG ersetzte Nenad Nikolic Felice Dilucia (28.), bei Bahlingen kam Ex-Profi und Spielertrainer Rainer Scharinger für den verletzt ausgeschiedenen Polen Marek Nowicki (35.). Ein dickes Ding kurz vor der Pause: Martin Cus köpfte aus wenigen Metern nach einem Eckball in die Arme von Neumann (41.). Nach dem Wechsel eine Schrecksekunde für die TSG: Azirar Abdelkaders Geschoss entschärfte Balingens Schlussmann Igor Idjakovic im letzten Moment (48.). Rainer Scharinger versuchte es nach gut einer Stunde aus halbrechter Position und verfehlte das Gehäuse der Kreisstädter nur um einen Meter (63.). Die bis dato größte Möglichkeit des Spiels vergab Michael Bezirgianidis, der nach 69 Minuten nach einem abgewehrten Göbel-Schuss einen Schlenzer knapp neben das Tor setzte. Idjakovic rettete im Gegenzug gegen Abdelkader (70.). Dann der nächste Hochkaräter: Erik Raab flankte und Tobias Göbel köpfte um Haaresbreite vorbei (72.). Dann aber doch das zu diesem Zeitpunkt überfällige 1:0: Gino Palmiero lupfte einen Freistoß auf Tobias Göbel, der traf mit dem Kopf ins Bahlinger Tor (74.) - das Au-Stadion bebte. Der Rückstand aus dem Hinspiel war egalisiert. Zehn Minuten vor Spielende die kalte Dusche: Nach einem Eckball der Ausgleich. Ein Balinger Abwehrversuch landete dank der Mithilfe des BSC-lers Aytac Sulu in den eigenen Maschen - einfach nur Pech. Fast postwendend das scheinbare 2:1, doch Nikolic' Treffer wurde wegen Foulspiels nicht anerkannt. Balingen drückte weiter, aber Bezirgianidis köpfte nur ans Außennetz (82.). Nikolic brachte die Kugel in der drittletzten Minute zu Turan Sahin, aber der vergab (88.). Die endgültige Entscheidung: Rainer Scharinger netzte in der 89. Minute zum 1:2 ein. Der Bahlinger SC steigt in die Oberliga auf. Die TSG Balingen bleibt ein zwölftes Jahr in der Verbandsliga Württemberg.
TSG Balingen: Idjakovic; Willig, Raab, Cus (65. Bezirgianidis), Taube, Schreyeck, Dilucia (28. Nikolic), Todorovic, Göbel, Palmiero, Sahin.
Tore: 1:0 Göbel (74.), 1:1 Sulu (80.), 1:2 Scharinger (89.).
Schiedsrichter: David Gonzales (Waghäusel).
Zuschauer: 3000.

 

 



Vorbericht TSG - Bahlinger SC  (08.06.06)


Zu verlieren hat die TSG Balingen nichts. Aber eine Menge zu gewinnen. Heute (Beginn 18.15 Uhr, Au-Stadion) geht es gegen den Bahlinger SC um den erstmaligen Aufstieg in die Fußball-Oberliga.



"Das wird das geilste Spiel seit Jahrzehnten", ist Karsten Maier überzeugt. Der Trainer des württembergischen Verbandsliga-Vizemeisters TSG Balingen rechnet im alles entscheidenden Aufstiegs-Duell gegen den südbadischen Kontrahenten Bahlinger SC (Hinspiel 0:1) mit einer Rekordkulisse. Maier: "Ich baue darauf, dass uns 3000 Zuschauer von der ersten Minute an nach vorne peitschen." Die Ausgangslage ist eindeutig. Nach der 0:1-Hinspielniederlage muss die TSG Balingen mit mindestens einem Tor Unterschied gewinnen. Ein 1:0, 2:1 oder jeder andere Sieg mit einem Treffer Differenz würde Verlängerung bedeuten. Stünde es auch nach 120 Minuten so, würde gar ein Elfmeterschießen über den vierten Oberliga-Aufsteiger entscheiden. Klar ist aber auch: Wenn der Bahlinger SC nicht verliert, ziehen die Kaiserstühler in die vierte Liga ein - wie schon von 1996 bis 2005. "Diese deutliche Vorzeichen machen es uns einfacher", glaubt Karsten Maier, der gegen den eminent spielstarken Widersacher, der nur zwei Saisonspiele verlor, auch wieder auf Turan Sahin zurückgreifen kann. Der Stürmer hat seine einwöchige Sperre abgesessen und soll die Südbadener heute Abend durcheinanderwirbeln.
Um es vorweg zu nehmen: Der Bahlinger SC ist nicht nur, aber auch wegen seines 1:0-Hinspielerfolges Favorit. Denn zu unterschiedlich verliefen die Wege der Relegations-Gegner in die Zusatzschicht: Während die TSG erst auf den letzten Drücker Vizemeister wurde, musste der BSC trotz einer bärenstarken Runde am letzten Spieltag noch den FC 08 Villingen passieren lassen. "Wer nur zweimal in der ganzen Spielzeit verliert, muss über eine gewisse Klasse verfügen", gibt sich deshalb der Bahlinger Pressesprecher Reiner Herter selbstbewusst. Bahlingens Trainer Rainer Scharinger, früher Profi beim Karlsruher SC, beim SSV Ulm 1846 und bei den Stuttgarter Kickers, sieht sein Team in einer guten Position: "Nach dem 1:0 vom Hinspiel haben wir sicherlich recht ordentliche Chancen", räumt der 39-Jährige, der sich in der Schlussviertelstunde bevorzugt selber einwechselt, ein. Auf ein Unentschieden spekulieren werde seine Elf nicht, verspricht der BSCÜbungsleiter: "Unsere Mannschaft ist offensiv strukturiert, orientiert sich nur wenig am Gegner und möchte ihr Ding durchziehen." Den Erfolg am Pfingstmontag stuft Scharinger als "verdient" ein, bemängelt lediglich, "dass wir es versäumt haben, ein zweites oder drittes Tor nachzulegen." Übrigens ließ der ehemalige Bundesligakicker kein Elfmeterschießen üben: "Nicht, weil man es ausschließt, sondern, weil solche Drucksituationen nicht simuliert werden können." Die Kaiserstühler können heute Abend wieder auf ihren zuletzt aus Studiengründen verhinderten Angreifer Steffen Stötzel (23) zurückgreifen. Der TSG stehen alle Akteure, die schon beim Hinspiel dabei waren, zur Verfügung - und eben zusätzlich Turan Sahin, dessen Sperre Anfang der Woche ablief.
Wie auch immer das Kräftemessen heute Abend endet: Nach Spielende feiert die TSG Balingen mit ihren Fans die so oder so erfolgreiche Verbandsliga-Runde 2005/2006. Denn mit der Vizemeisterschaft wurde der bislang größte Erfolg in der Vereinsgeschichte aus dem Vorjahr bestätigt. Das entscheidende Aufstiegsspiel zur Amateur-Oberliga Baden-Württemberg beginnt heute um 18.15 Uhr im Balinger Au-Stadion.

 

 



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