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Spielberichte und News

TSG Balingen

Albstädter Achterbahnfahrt

In einem mitreißenden Spiel zwischen Rot-Weiß Ebingen und der TSG Balingen kommt es am 2. Spieltag der C-Junioren-Bezirksstaffel zu einem 3:3-Unentschieden. Nachdem man zur Halbzeit noch 0:2 zurückgelegen war, gelang es den U14-Junioren aus der Eyachstadt, das Spiel zu drehen. Wenige Minuten vor Schluss musste man jedoch den Ausgleichstreffer hinnehmen.

 

Beide Mannschaften kamen mit Rückenwind zum Aufeinandertreffen der beiden Titelfavoriten ans Alb-Stadion. Der FV Rot-Weiß hatte sein Auftaktspiel in Schwenningen mit 15:0 für sich entscheiden können, die TSG-Jungs hatten eine gute Winterlinger Mannschaft mit 6:3 geschlagen. Ein Duell auf Augenhöhe war demzufolge absehbar. Ebingen startete in einem defensiven 1-5-3-2-System, während die Balinger auf eine 1-4-4-2 mit Halbraumfokus setzte. Aufgrund dieser schematischen Grundausrichtung, gelang es den TSGlern zwar, den Ballbesitz zu kontrollieren, wirkliche Gefahr konnte man allerdings nicht entwickeln. Ganz ihrem Selbstverständnis zufolge zogen die Rot-Schwarzen ein geduldiges Ballbesitzspiel auf, die letzte Linie der Gastgeber war mit fünf Spielern allerdings massiv besetzt.

Nach einem ärgerlichen Ballverlust im Mittelfeld wurde die hochstehende letzte Linie der Gäste überspielt. Torspieler Nico Heizmann kam einen Schritt zu spät, woraufhin Ebingens Kapitän Marsel Evic nur noch ins leere Tor zu seinem siebten Saisontreffer einschieben musste. Wenige Zeit später rauschte ein Freistoß von Samuel Schneider auf der Gegenseite nur knapp am Tor vorbei. Es war jedoch recht bezeichnend, dass ein Standard die gefährlichste Balinger Chance der ersten Halbzeit darstellte.

Ein untypischer Fehler nach einem Ebinger Einwurf leitete wenige Minuten vor der Pause das 0:2 aus Balinger Sicht ein. Statt wie gewohnt im Raum zu übergeben, entstanden in der Balinger Viererkette vorübergehend Manndeckungen. Die somit entstehende Unordnung überwarf der Gegner und konnte Nico Heizmann umgehend überwinden. Mit den einzigen zwei Topchancen der ersten Halbzeit ging es für Ebingen mit einer komfortablen Führung in die Pause, obwohl Balingen bis dato sauberere Passstafetten und Zweikampfführung gezeigt hatte. Zugegebenermaßen fehlte es an Torchancen, da man sich an der gegnerischen Fünferkette mit lokalen Mahndeckungen die Zähne ausbiss und es kaum gelang hinter diesen Riegel zu kommen – doch ein 0:2 war definitiv kein angemessenes Ergebnis.

Der Halbraumfokus im offensiven Mittelfeld wurde in der Halbzeit zurückgesteckt, Torchancen wollte man nun zunehmend über die Flügelzonen im Mittelfeld erarbeiten, wo die Ebinger Mittelfeldreihe in Drei-Mann-Besetzung weniger Zugriff hatte. Lauri Reinwald kam links hinten in die Partie, um noch mehr Druck nach vorne auszuüben. Noah Krampulz war bereits vor dem 0:2 nach rechts hinten gerückt, Candeniz Vancinel übernahm seine Position im rechten Mittelfeld und verstärkte hier durch seine ballfordernde Spielweise in den Halbräumen. Die Spitzen Tim Fritz und Phillip Max sollten zunehmend die gegnerische Kette in der Tiefe binden und sich verstärkt für Pässe hinter die Kette anbieten, was gleichbedeutend mit deutlich weniger Ballkontakten der beiden war. Die taktische und psychologische Stärke der Balinger zeigte sich im weiteren Spielverlauf. Die Umstellungen in der Halbzeit wurden von den Spielern erstaunlich gut umgesetzt. Das 1:2 fiel durch eine Flanke von Samuel Schneider, aus eben jener Flügelzone im Halbfeld, in der die Mittelfeldreihe der Gastgeber keinen Zugriff hatte. Genauso, wie es wenig zuvor besprochen wurde: Mehr Flanken aus diesen Räumen, und wir werden gefährlicher. Tim Fritz‘ Kopfballstärke leistete ihren naturgemäßen Anteil.

Samuel Schneider und Candeniz Vancinel tauschten auf der rechten, bzw. halbrechten Mittelfeldposition stets ihre Rollen, wodurch die Defensive der Ebinger zusätzlich destabilisiert wurde. Zwar fehlte hier zunehmend die kompakte 1-4-4-2-Struktur gegen den Ball, jedoch war dies aufgrund des Spielstandes auch bedingt notwendig. Ein Konter der Ebinger hätte somit wohl den Genickbruch bedeutet, doch Nico Heizmann parierte gegen den stärksten Ebinger Marsel Evic im Eins-gegen-Eins. Wiederrum wenig später stellte Trainer Niklas Bühler auf ein 1-4-2-3-1-System um, wodurch die Stärken von Ex-Ebinger Armen Dzaferi in den engen Mittelfeldräumen in den Vordergrund rücken sollten. Der technisch-starke Linksfuß ging auf die Zehnerposition und konnte in der Folgezeit, wie auch Samuel Schneider deutlich häufiger hinter das Ebinger Mittelfeld kommen, sowie die Fünferkette mit Schnittstellenpässen attackieren. Balingen war nun das tonangebende Team, hatte jedoch nach wie vor Probleme mit der Konterabsicherung, da die Außenverteidiger immer noch extrem hoch standen und das Gegenpressing nicht intensiv genug gestaltet wurde. Im Mittelfeldzentrum war lediglich Geburtstagskind Benny Loulendo ein defensiver Ankerpunkt, während Samuel Schneider, Armen Dzaferi und Candeniz Vancinel aufgrund ihrer offensiv-wertvollen Rochaden die Defensivarbeit vernachlässigten. Benny ackerte in diesem Spiel allerdings auch für drei Spieler, und konnte ganz oft in wichtigen Zweikämpfen brillieren. In der 62. Spielminute wurde Tim Fritz in der Tiefe mit einem Schnittstellenpass gefunden und wurde im Strafraum vom gegnerischen Torspieler zu Fall gebracht. Samuel Schneider schnappte sich den Ball und verwandelte eiskalt zum 2:2. Das Momentum kippte in Richtung der Rot-Schwarzen und man merkte, inwieweit der Führungstreffer nun eine Frage der Zeit war.

Mit der Hereinnahme von Ben-Jamal Jaber hatte man zuvor bereits auf ein 1-4-2-2-2 umgestellt, welches nun allerdings asymmetrisch aufgebaut war. Die linke Seite blieb verwaist, hier sollte Lauri Reinwald von links hinten mit seinen dynamischen Aufrückbewegungen für Energie sorgen. Armen Dzaferi spielte als nomineller Linksaußen auf der Zehnerposition, während sich Samuel Schneider halbrechts aufhielt. In diesem Raum konnte Schneider in der 64. Minute mustergültig bedient werden, aufdrehen und zu Tim Fritz in die Spitze durchstecken, der den Torspieler umkurvte und das 3:2 erzielte. Direkt im Anschluss wurde nun auf ein „standesgemäßes“ 1-4-4-2 umgestellt, Armen übernahm wieder die Rolle im linken Mittelfeld. Wie schon in der gesamten zweiten Halbzeit fehlte es aber an der konsequenten Konterabsicherung, sowie der Struktur im zentralen Mittelfeld gegen zweite Bälle. Andreas Schmidtke sicherte einen Anlaufversuch von Lauri Reinwald nicht konsequent genug in der Tiefe ab, wodurch er aus eben jenem Raum selbst überspielt wurde. Ebingen konnte vier Minuten vor Schluss das 3:3 erzielen.

Es kam nun zu einer unglaublichen Schlussphase. Auf der einen Seite wurde ein Abschluss von Armen Dzaferi im letzten Moment geblockt, auf der anderen traf Ebingen den Pfosten. Bei beiden Teams war eine defensive Struktur nun nur noch schwerlich zu erkennen – ein Albtraum für die Trainer, wunderschön für neutrale Zuschauer. Das Spiel endete somit 3:3 – ein Ergebnis, mit dem beide Teams unter dem Strich leben konnten.

Positiv bleibt definitiv die nüchterne und konzentrierte Mentalität der TSG-Jungs hängen, die es ermöglichte, die in der Halbzeit gewählten Veränderungen und Systemanpassungen ganz anschaulich in Tore umzumünzen. Alle drei Tore entstanden auf diese Weise, und das, obwohl man in der ersten Halbzeit nur einmal durch eine Standardsituation für Gefahr sorgen konnte. Die defensive Umkompaktheit und fehlende Konsequenz in der Konterabsicherung verhinderten allerdings den Auswärtssieg und hätten in den letzten Minuten auch noch eine Niederlage einbringen können. Unterm Strich steht dann ein Auswärtspunkt gegen einen Meisterschaftsmitfavoriten, wobei der Sieg nach dem 3:2 definitiv möglich, und mithilfe einer besseren Defensivmentalität auch verdient gewesen wäre.

 

Aufstellung

Nico Heizmann – Luca Fürst (C) (36., Lauri Reinwald), Andreas Schmidtke, Luca Rumpp (47., Emir Akgül), Luca Pätzold (21., Candeniz Vancinel) – Armen Dzaferi, Benjamin Loulendo, Samuel Schneider, Noah Krampulz – Tim Fritz, Ben-Jamal Jaber (31., Phillip Max)

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