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05.10.2009

1:2 Niederlage gegen Hoffenheim II

Knapp vorbei ist auch daneben. Die TSG Balingen hatte den Oberliga-Topfavoriten 1899 Hoffenheim 2 zwar am Wickel, unterlag aber doch mit 1:2 (1:1). Der klar favorisierte Gegner agierte abgebrühter.

Saisonrekord im Au-Stadion: Mehr als 1500 Fans wollten die Bundesligaereserve aus Hoffenheim spielen sehen – und warteten gespannt darauf, wie sich die TSG Balingen gegen dieses Klasse-Team verkaufen würde. Um es vorweg zu nehmen: Die Hoffenheimer mögen um dieses eine Tor, das sie mehr erzielten, besser gewesen sein. Mehr aber auch nicht. Denn die Elf von Markus Gisdol spielte ziemlich unspektakulär und kam erst in der Schlussphase, als die Balinger alles nach vorn warfen, zu mehreren (Konter-)Chancen. Ansonsten aber vertraute der Favorit aus dem Kraichgau auf eine sattelfeste Defensive und behielt in jeder Phase der Begegnung seine Grundordnung bei. Die erste gute Möglichkeit der Partie verzeichneten ausgerechnet die Gastgeber. Erik Raab und Jörg Schreyeck setzten Levent Üner in Szene, doch der 20-Jährige schob den Ball am Tor vorbei. Dabei reklamierten die Teamkollegen vergeblich ein Foulspiel an Üner, der im Strafraum regelwidrig angegangen sein soll. Bitter für die Balinger: Bereits nach einer halben Stunde musste Kevin Ketis verletzt raus. In einem Zweikampf hatte sich der 27-jährige Defensivhüne, der die Woche über ohnehin aus privaten Gründen im Training gefehlt hatte, eine Nackenverletzung zugezogen. Der für Ketis eingewechselte Tim Wissmann hielt ebenfalls nur eine Stunde durch, ehe auch er mit dem Verdacht auf Bänderriss ausgetauscht werden musste. Von einem Klassenunterschied war zunächst trotz der erneuten personellen Nackenschläge wenig zu sehen. Im Gegenteil. Speziell gegen Ende der ersten Halbzeit zeigte die Maier-Elf mehr Courage und wurde zunehmend frecher in ihren Offensivaktionen. Zunächst verzog Spielführer Schreyeck nach einem Clayton-Zuspiel (34.), doch wenig später klingelte es im Kasten der Kraichgauer: Tabe Nyentis Rettungsversuch gegen Andreas Kohle misslang gründlich, der Ball gelangte stattdessen zu Clayton und der Brasilianer traf aus zwölf Metern zum 1:1 (41.). Nach der Pause aber schwand mit jeder Minute die Hoffnung auf eine Überraschung. Denn Hoffenheim spulte sein Pensum mit stoischer Gelassenheit herunter und wich kein Jota von seiner taktischen Ausrichtung ab – eine Marschroute, die zum Erfolg führen sollte. In der 50. Minute brannte es lichterloh im Balinger Strafraum, als Andreas Ludwig auf der linken Seite zwei Gegenspieler abkochte und aus spitzem Winkel an TSG-Keeper Sebastian Kellner scheiterte. Die Entscheidung nach 66 Minuten: Der starke Kai Herdling, einst Leistungsträger der ersten Mannschaft beim Durchmarsch von der Regional- in die Bundesliga, setzte sich auf der linken Seite durch, passte von der Grundlinie nach innen und der eingewechselte Ex-Gmünder Dominik Kaiser traf zum 1:2. Weil anschließend ein Rettungsversuch von Jörg Schreyeck am eigenen Torpfosten landete (71.) und Juri Neumann nach Herdling-Zuspiel knapp vorbeispitzelte (88.), ging der Hoffenheimer Erfolg letztlich in Ordnung. Das große Plus des Titelfavoriten: Der gleichmäßig ausgebildete Kader verfügt über derart viel Substanz, dass das Team nicht dazu gezwungen ist, unkontrolliert anzurennen. Vielmehr spielen die Bundesliga-Youngster jeden Angriff geduldig aus und ermürben mit dieser Taktik ihren Gegner. Freilich: Besonders schön anzusehen ist diese Art von Fußball nicht; wer die Klasse hat, muss sich aber um die Rasse nicht sorgen. Schließlich zählt einzig die Abrechnung am Ende der Saison. Und da dürften, nicht nur angesichts des neuerlichen Kirchheimer Patzers (2:2 gegen die Stuttgarter Kickers), eben die Hoffenheimer die Nase vorn haben. Die Oberligisten legen nun ein spielfreies Wochenende ein. Wegen des DFB-Länderpokal-Turnieres in Duisburg, zu dem die Balinger Julian Hauser und Andreas Kohle auf Abruf nominiert wurden, steht der nächste Spieltag erst in knapp zwei Wochen auf dem Programm.

01.10.2009

Vorbericht TSG - TSG Hoffenheim II

David gegen Goliath im Au-Stadion. Die TSG Balingen fordert am Samstag (Anpfiff 15.30 Uhr) den Oberliga-Topfavoriten 1899 Hoffenheim heraus. Wer darf am „Tag der deutschen Einheit“ jubeln. Einigkeit und Recht und Freiheit herrschen auch in der Fußball-Oberliga vor.

Doch mit der Brüderlichkeit ist's nicht so weit her. So gelten die Klassenkollegen aus Hoffenheim schon eher als „Primus inter pares“, als Erster und (klassen-)gleichen eben. Ihren Status haben sich die Kicker aus dem Kraichgau schon mit dem Bundesliga-Aufstieg der Profi-Elf (2008) erworben. Schon damals war klar, dass die „Zweite“ nachziehen muss. Kurz und knapp geben die Verantwortlichen der ebenfalls unter Profibedingungen arbeitenden Oberligaelf den Aufstieg in die Regionalliga als Saisonziel aus. Eine Vorgabe, die das Team im Vorjahr als Vizemeister nur ganz knapp verfehlte. Es gehört zur Philosophie von Bundesliga-Perspektivteams, dass alljährlich jenes Personal ausgetauscht wird, das nicht den Ansprüchen der Profi-Abteilung gerecht wird. Um es kurz machen: 22 Spieler mussten im Sommer ihre Koffer packen, 18 Neuzugänge wurden verpflichtet. Selbst der Trainerstab ist neu: Markus Gisdol (zuletzt SSV Ulm 1846) löste Rainer Scharinger (jetzt VfR Aalen) ab. Die somit komplett neu zusammengestellte Mannschaft (nur drei Spieler durften bleiben) benötigte nicht lange, um sich zu finden. Schon in der Saisonvorbereitung bezwang Hoffenheim 2 unter anderem die Regionalligisten Eintracht Frankfurt 2 (3:2) und Karlsruher SC 2 (3:0). Das verwundert insofern nicht, als dass die Verantwortlichen nicht irgendwelche Akteure unter Vertrag genommen haben, sondern bei der Auswahl äußerst gezielt vorgegangen sind. So behauptet etwa der Walldörfer Trainer Roland Dickgießer: „Was Hoffenheim 2 beisammen hat, ist das Beste weit und breit. Das Team könnte locker in der Regionalliga mithalten.“ Dennoch handelte sich die Gisdol-Truppe bereits zwei Niederlagen ein: Jeweils mit 0:1 unterlag der Titelfavorit in Weinheim und Gmünd. Dafür fertigte man die übrigen Gegner meist klar ab. Mittlerweile hat Hoffenheim 22 Tore erzielt – so viele wie kein anderer Klassenkonkurrent. Aktueller Toptorjäger ist Kai Herdling (sieben Treffer), der einst maßgeblich daran beteiligt war, dass die Hoffenheimer „Erste“ überhaupt den Sprung in den bezahlten Fußball realisieren konnte. Der 25-Jährige zählt erst seit dieser Saison fest zum Kader der Oberliga-Elf – zuvor stand er im Bundesliga-Aufgebot von Ralf Rangnick. Gegenüber dem personellen Schlaraffenland der Hoffenheimer kommt die Balinger Spielerliste recht armselig daher. Rekrutieren sich die Neuzugänge des aktuellen Oberliga-Zweiten vom 1. FC Köln, VfB Stuttgart, Alemannia Aachen, VfL Wolfsburg oder FC Bayern München, so bediente sich die TSG in Ergenzingen, Bösingen, Ofterdingen oder bestenfalls Pfullendorf. Die scheinbare Ungleichheit in der Qualität setzt sich in der Quantität des Trainingspensums fort: Während Markus Gisdol schon 'mal ein paar Vormittagseinheiten einschieben kann, muss Karsten Maier darauf hoffen, dass seine Jungs rechtzeitig Feierabend bekommen – um die Übungsabende auch regelmäßig besuchen zu können. In Ehrfurcht erstarren wird der Außenseiter deswegen aber nicht. „Wir werden unsere Chance bekommen“, ist Karsten Maier überzeugt. Der Balinger Trainer schiebt nach: „Auch die Hoffenheimer spielen nur zu elft.“